Raus aus dem LMS- ein Vorschlag für eine moderne Lernumgebung

Dass selbst-bestimmtes, kollaboratives und kompetenz-orientiertes Lernen nicht mit einem herkömmlichen Learning Management System in Einklang gebracht werden kann, ist bekannt. Heutige LMS sind nach Kursen aufgebaut, mit einer Liste zugehörigen Lernmateriales und wenig Platz für kreative, kollaborative Artefakte. Zudem sind sie geschlossene Systeme- Interaktion ist nur innerhalb der Organisation möglich, was soziales Lernen erschwert. Es braucht also neue Formen der Lernumgebungen. Alles in ein einziges Format zu verpacken, ist mit den momentan verfügbaren Werkzeugen nicht möglich. Ein möglicher Weg ist die Kombination von drei verschiedenen Umgebungen.

Die virtuelle Bibliothek ist eine Plattform, die verschiedenste Arten von Lernressourcen beheimatet. Diese rangieren von Texten in Form eines pdfs bis zu studenten-generierten Inhalten und bieten den Studierenden die Möglichkeit, eine Vielfalt verschiedener Medien zu nutzen. Die vorgeschlagenen Inhalte werden getagged und optional mit Kommentaren erweitert, jedoch nicht einer Lerneinheit zugeordnet. Den Studierenden steht eine gute Suchmaschine zur Verfügung, die ihnen erlaubt, selbst-bestimmt die von ihnen gewünschten Inhalte zu finden und zu brauchen. Die virtuelle Bibliothek mit ihrer Vorauswahl an Lernressourcen soll als Startpunkt für weitere, eigene Recherchen dienen und mit von Studierenden gefundenen oder erstellten Inhalten ständig erweitert werden.

Eine weitere Plattform dient den Artefakten, die Studierende in ihren kompetenz-orientierten Arbeiten erstellen. Sie soll möglichst offen sein, das heisst die Studierenden sollen selbst entscheiden können, in welcher Form sie ihre Inhalte darstellen wollen und die entsprechenden Werkzeuge auch selbst auswählen und installieren. Nach Abschluss der Arbeit und nach deren Bewertung soll es jedem Studierenden möglich sein, diese Inhalte öffentlich zu machen und sich so ein E-Portfolio zu erschaffen. Hier bietet sich eine Domain of One’s Own an (DOO). Den Studierenden wird ein Web-Hosting zur Verfügung gestellt, das sie mit einer persönlichen Domain verknüpfen können. Je nach Bedürfnis wird auf dem Hosting die entsprechende Open Source Software installiert und damit Inhalte generiert. Dabei bleibt das Erschaffene immer im Besitz des Erschaffers. Nach Beendigung des Studiums ist es möglich, den Content auf einen eigenen Server zu migrieren und so das E-Portfolio mitzunehmen und im weiteren Werdegang auszubauen.

Ein geschlossenes Dashboard steht für private Inhalte zur Verfügung. Dazu gehört die ganze Administration, aber auch Informationen bezüglich zu erwerbender Kompetenzen, erhaltener Bewertungen und dem eigenen Lernfortschritt. Dafür eignen sich herkömmliche Learning Management Systeme wie Moodle. Dass die Bewertungen dabei von den Artefakten abgekoppelt sind, ist zwar unschön, aber nicht vermeidbar, ohne dass die Privatsphäre der Studierenden tangiert wird.

Die für die Kommunikation und Kollaboration notwendigen Werkzeuge werden von den Studierenden gemäss ihren Vorlieben und Bedürfnissen frei gewählt. Dabei gehört es- wie bei der DOO- zu den zu erwerbenden digitalen Kompetenzen, sich mit diesen zu beschäftigen, sie zu beurteilen und zu verwenden. Sollte es sich als nötig erweisen, Studierenden an die Werkzeuge heranzuführen, sollte dies möglichst selbst-bestimmt und anwendungsorientiert geschehen. Nebst «geschlossenen» Systemen wie Chats für Arbeitsgruppen sollen auch soziale Medien genutzt werden um damit den Wirkkreis zu vergrössern und sich ein persönliches Lernnetzwerk ausserhalb des Studienganges aufzubauen.

Mit dieser Kombination von virtueller Bibliothek, einer Domain of One’s Own und einem geschlossenen Dashboard wird es möglich, den Studierenden eine grösst-mögliche Freiheit innerhalb einer Organisation und eines Bewertungssystems zu bieten. Mit der virtuellen Bibliothek als bleibende Ressource, der Ownership der Artefakte durch die DOO und dem Aufbau eines Lernnetzwerkes wird die Transferierbarkeit des Erarbeiteten nach Verlassen der Hochschule ermöglicht und so mitgeholfen, den Grundstein zum lebenslangen Lernen zu setzen. What happens in Vegas doesn’t stay in Vegas anymore.

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