Raus aus dem LMS- ein Vorschlag für eine moderne Lernumgebung

Dass selbst-bestimmtes, kollaboratives und kompetenz-orientiertes Lernen nicht mit einem herkömmlichen Learning Management System in Einklang gebracht werden kann, ist bekannt. Heutige LMS sind nach Kursen aufgebaut, mit einer Liste zugehörigen Lernmateriales und wenig Platz für kreative, kollaborative Artefakte. Zudem sind sie geschlossene Systeme- Interaktion ist nur innerhalb der Organisation möglich, was soziales Lernen erschwert. Es braucht also neue Formen der Lernumgebungen. Alles in ein einziges Format zu verpacken, ist mit den momentan verfügbaren Werkzeugen nicht möglich. Ein möglicher Weg ist die Kombination von drei verschiedenen Umgebungen.

Die virtuelle Bibliothek ist eine Plattform, die verschiedenste Arten von Lernressourcen beheimatet. Diese rangieren von Texten in Form eines pdfs bis zu studenten-generierten Inhalten und bieten den Studierenden die Möglichkeit, eine Vielfalt verschiedener Medien zu nutzen. Die vorgeschlagenen Inhalte werden getagged und optional mit Kommentaren erweitert, jedoch nicht einer Lerneinheit zugeordnet. Den Studierenden steht eine gute Suchmaschine zur Verfügung, die ihnen erlaubt, selbst-bestimmt die von ihnen gewünschten Inhalte zu finden und zu brauchen. Die virtuelle Bibliothek mit ihrer Vorauswahl an Lernressourcen soll als Startpunkt für weitere, eigene Recherchen dienen und mit von Studierenden gefundenen oder erstellten Inhalten ständig erweitert werden.

Eine weitere Plattform dient den Artefakten, die Studierende in ihren kompetenz-orientierten Arbeiten erstellen. Sie soll möglichst offen sein, das heisst die Studierenden sollen selbst entscheiden können, in welcher Form sie ihre Inhalte darstellen wollen und die entsprechenden Werkzeuge auch selbst auswählen und installieren. Nach Abschluss der Arbeit und nach deren Bewertung soll es jedem Studierenden möglich sein, diese Inhalte öffentlich zu machen und sich so ein E-Portfolio zu erschaffen. Hier bietet sich eine Domain of One’s Own an (DOO). Den Studierenden wird ein Web-Hosting zur Verfügung gestellt, das sie mit einer persönlichen Domain verknüpfen können. Je nach Bedürfnis wird auf dem Hosting die entsprechende Open Source Software installiert und damit Inhalte generiert. Dabei bleibt das Erschaffene immer im Besitz des Erschaffers. Nach Beendigung des Studiums ist es möglich, den Content auf einen eigenen Server zu migrieren und so das E-Portfolio mitzunehmen und im weiteren Werdegang auszubauen.

Ein geschlossenes Dashboard steht für private Inhalte zur Verfügung. Dazu gehört die ganze Administration, aber auch Informationen bezüglich zu erwerbender Kompetenzen, erhaltener Bewertungen und dem eigenen Lernfortschritt. Dafür eignen sich herkömmliche Learning Management Systeme wie Moodle. Dass die Bewertungen dabei von den Artefakten abgekoppelt sind, ist zwar unschön, aber nicht vermeidbar, ohne dass die Privatsphäre der Studierenden tangiert wird.

Die für die Kommunikation und Kollaboration notwendigen Werkzeuge werden von den Studierenden gemäss ihren Vorlieben und Bedürfnissen frei gewählt. Dabei gehört es- wie bei der DOO- zu den zu erwerbenden digitalen Kompetenzen, sich mit diesen zu beschäftigen, sie zu beurteilen und zu verwenden. Sollte es sich als nötig erweisen, Studierenden an die Werkzeuge heranzuführen, sollte dies möglichst selbst-bestimmt und anwendungsorientiert geschehen. Nebst «geschlossenen» Systemen wie Chats für Arbeitsgruppen sollen auch soziale Medien genutzt werden um damit den Wirkkreis zu vergrössern und sich ein persönliches Lernnetzwerk ausserhalb des Studienganges aufzubauen.

Mit dieser Kombination von virtueller Bibliothek, einer Domain of One’s Own und einem geschlossenen Dashboard wird es möglich, den Studierenden eine grösst-mögliche Freiheit innerhalb einer Organisation und eines Bewertungssystems zu bieten. Mit der virtuellen Bibliothek als bleibende Ressource, der Ownership der Artefakte durch die DOO und dem Aufbau eines Lernnetzwerkes wird die Transferierbarkeit des Erarbeiteten nach Verlassen der Hochschule ermöglicht und so mitgeholfen, den Grundstein zum lebenslangen Lernen zu setzen. What happens in Vegas doesn’t stay in Vegas anymore.

Ja, ich will- WOL zur Vernetzung an einer Hochschule

Der Herr schaute mich verwundert an. Aufstehen, er? Als erste Handlung in diesem Workshop? Ich versicherte ihm, dass er nichts weiter tun müsste als dazustehen, und ging in die andere Ecke des Raumes. 15 Personen waren versammelt, alles Mitarbeiter einer Schweizer Hochschule. Ich hatte keine Ahnung, ob und wie gut sich die Teilnehmer des Workshops kannten. Ich fixierte eine Dame: Kennen Sie diesen Herrn dort vorne? Sie verneinte. Ich fragte eine andere Dame: Und Sie? Auch sie verneinte. Und eine dritte Person ebenfalls. Und wenn dieser Herr nun etwas wüsste, das Ihnen bei einem ganz aktuellen Problem helfen könnte? Ich las in den Gesichtern der Teilnehmer, dass mein Einstieg in «Vernetzung mit Working Out Loud» geglückt war. Es funktionierte übrigens auch die weiteren zwei Male, die ich den Workshop an diesem Nachmittag durchführte.

Doch ich ging noch ein wenig weiter. Erzählte, wie Organisationen versuchen, ihr Wissen zu externalisieren und auf Plattformen zu packen. Wie praktisch das ist- jedoch nicht weiterhilft, wenn es dann eben doch nicht so reibungslos verläuft, wie im How-To-Video dargestellt. Der menschliche Kontakt, der vernetzte Arbeitsplatz, der nicht nur bei Problemen hilft, sondern auch Inputs zur Arbeit liefert oder Feedback geben kann.

Ich wollte noch etwas ausprobieren. Ich liess alle Teilnehmer auf ein Blatt Papier ein aktuelles Problem, ein aktuelles Thema aufschreiben. Würden wir im Raum Menschen finden, die helfen könnten oder die die gleichen Interessen hätten und sich gerne austauschen möchten? Wir würden sehen….

Zuerst ging es aber mit WOL weiter. Was ist es, wie organisiert man es, was macht man dabei? Anhand von Tanmay Voras Sketchnote ging ich relativ rasch zu den 5 Kernelementen über. Ich begann mit «Generosity» und berief mich auf den Charakter eines guten Netzwerkes: Zu geben und zu bekommen, ohne «Milchbüechli-Rechnung». Und was man nicht alles geben konnte! Gerade jetzt, in diesem Moment, jeder von uns! Ich bat die Teilnehmer, ihre smartphones hervorzunehmen und gleich jetzt, gleich hier, eines dieser vergessenen Dankeschöns auszusprechen. Ja, das war WOL, und sie hatten gerade eine WOL Übung gemacht.

Weiter ging es mit «Relationships». WOL lehrt einem, wie man Personen findet, wie man sie anspricht, und wie man die Beziehung zu ihnen vertieft. Dazu gehört auch das Finden von Gemeinsamkeiten. 10 facts about me ist eine wunderbare Übung, um diese sichtbar zu machen, und auch meine Teilnehmer lachten viel, als sie ihre Listen austauschten und von sich erzählten. Eine Gruppe von 4 Personen entdeckte sogar, dass sie alle das gleiche Instrument spielten. Einige waren so ins Gespräch vertieft, dass ich sie beinahe unhöflich unterbrechen musste, um weiterzufahren.

Doch es wartete «Visible Work». Wer von Ihnen hat ein LinkedIn Profil? Xing? Und vorallem: Wer von Ihnen hat ein Profil im Intranet, in dem mehr steht als Ihr Name, Ihre Telefonnummer und Ihre Email Adresse? Erstaunlicherweise gingen bei der letzten Frage je nach Gruppe bis zu 50% der Hände hoch. Ich hackte nach- was steht denn drin? Es waren primär der Lebenslauf und erworbene Kompetenzen. Widerspiegeln diese Angaben denn wirklich, was Sie können, wissen, interessiert? Weiss ich aufgrund Ihres Lebenslaufes, ob Sie mir bei meinem Projekt weiterhelfen können? Am liebsten hätte ich die Teilnehmer gleich jetzt mindestens einen Satz ins Profil schreiben lassen, der nichts mit formalen Abschlüssen zu tun hat. Aber wir hatten ja nur eine Stunde, und so gab es eine Hausaufgabe draus.

Zum «Growth Mindset» äusserte ich mich nur kurz und sprach dann den letzten Punkt an: «Purposeful discovery». Das WOL Ziel. Jede Person bekam die Circle Guides von Woche 1 mit der Bitte, den Abschnitt über die Zielsetzung zu lesen und sich erste Gedanken darüber zu machen, was für ein Ziel er/sie sich setzten könnte. Nur in einer Gruppe blieb Zeit, dieses Ziel auch schriftlich zu formulieren und zu beginnen, eine Beziehungsliste zu schreiben. Denn wichtiger als die genaue Zielsetzung war mir zum Abschluss Reflexion und Feedback.

Dabei nahm ich ein Vorgehen auf, dass Stefanie Moser entwickelt und grosszügigerweise in einem Blog Post mit uns allen geteilt hat (Danke!!). Als ich es las, hat es mich sofort angesprochen und inspiriert. Ich probierte meine Version davon aus.

In drei Ecken des Raumes stellte ich je ein Flipboard. Auf Nummer 1 stand: Ja, ich will. Dort sollten sich alle versammeln, die sich von WOL angesprochen fühlten und gerne einem Circle beitreten möchten. Auf Nummer 2 stand: Nein, nichts für mich. Wer mit dem heute Vorgestellten gar nix anfangen konnte, sollte dort bitte in einem Satz draufschreiben, warum. Dabei war es mir wichtig zu betonen, dass dies nicht gewertet wurde- jeder Mensch ist einzigartig, und darum gibt es keine Methode, die zu allen Menschen passt! Auf dem dritten Flipboard stand: Hmmmm- ja, aber. Wem gefiel, was ich gezeigt hatte, aber noch nicht überzeugt war, wurde gebeten, in Stichworten die Bedenken oder Unsicherheiten zu formulieren.

Ich war echt beeindruckt, von dem was passierte. Von insgesamt 45 Workshop-Teilnehmer meinten 8, dass sie gerne sofort einen Circle gründen möchten. Sie regten zudem an, auf dem Intranet eine Seite mit Informationen zu WOL zu erstellen, damit andere auch später die Möglichkeit hätten, sich einem WOL Circle anzuschliessen. Nebst der Gründung von 2 WOL Circle sind wir dies natürlich nun asap am Umsetzen.

Nur 3 Teilnehmer fanden, dass WOL absolut nichts für sie seie. Der Rest stand vor dem Hmmm…. Board.

Das meist Genannte war der Punkt Zeit. Keine Zeit, andere Prioritäten, Einbindung in Arbeitsalltag. Für mich war sofort klar, dass ich diesen Aspekt das nächste Mal besser ausarbeiten musste, zeigen musste, dass WOL auch zu diesem Thema Übungen hatte. Denn nur das Argument «Ist das Ziel wichtig genug, findet sich schon Zeit», setzt die Menschen eher unter Druck- das heisst ja, ich habe ein ungenügend gutes Ziel gewählt! Es kam auch das persönliche Votum: Wenn ich das in meiner Arbeitszeit mache, dann muss ich doch das ok von meinem Chef haben! Das heisst, WOL muss von top unterstützt werden, sonst geht das gar nicht. Diese Unsicherheit kam in allen drei Workshop-Gruppen hervor, wie auch, ob sich denn Aufwand und Ertrag die Waage hielten. Weiter war zu merken, dass Unsicherheit da war bezüglich des Circles. Sich mit 4 anderen zu treffen, sich zu öffnen, was ergab dies für eine Dynamik, für einen Druck?

Momentan ist mir noch nicht ganz klar, wie ich diese Fragen einarbeiten kann. Eine Meinung dazu habe ich. Aber um die geht es nicht, sondern darum, Menschen den Weg zu ebnen, WOL auszuprobieren, und dafür müssen ihre Unsicherheiten diskutiert und mögliche Lösungen oder Antworten offeriert werden. Ich freue mich aber schon auf die nächste Möglichkeit, WOL zu präsentieren und auszuprobieren, wie das gemacht werden könnte! Vielleicht hat jemand dazu schon Ideen oder Erfahrungen?

Und was passierte mit den Problemen und Themen, die die Teilnehmer ganz zu Beginn notiert hatten? Leider bleib bei Weitem keine Zeit für das, was ich zuerst im Sinn hatte: Diese mit den Teilnehmern des Workshops zu matchen. Doch es ergab sich eine interessante Wand die gut aufzeigte, welche Arten von Schwierigkeiten die Mitarbeiter momentan beschäftigte. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal!

Was, wir kennen uns erst seit letzter Woche?

Dieser Beitrag ist auf womenoutloud.ch erschienen

Stell Dir vor, Du startest Deine Videokonferenz-Software, und Dich erwarten strahlende Gesichter und ein bereits laufendes, angeregtes Gespräch. Das ist nicht nur working out loud, das ist womenoutloud! Ja, zugegeben, viele Frauen quatschen gerne- weil wir uns gerne untereinander austauschen! Nix mit Stutenbissigkeit, sondern ein neugieriges Zuhören, Reingucken in andere Lebensentwürfe, ein voneinander lernen wollen, ein sich inspirieren lassen. Aber warum dies «nur» unter Frauen?

Schon beim Kennenlerntreffen aka WOL Week 0 wurde sehr schnell klar, dass uns ähnliche Fragen antreiben. Und dass diese Fragen unweigerlich mit unserem «Frau-sein» zusammenhingen. Wie werde ich die Zeit mit kleinem Kind und Job meistern? Und warum stelle ich mir diese Frage viel ernsthafter als der Vater? Warum reagiert die Gesellschaft so kritisch darauf, dass ich eine Führungsposition habe, mein Ehemann aber nicht? Ist Selbständigkeit der Weg aus der Teilzeit-Misere?

Wir fühlten uns gleich äusserst wohl und vertraut in unserem Circle. Vieles musste nicht externalisiert, ausgesprochen werden- es war durch unsere Gemeinsamkeit einfach klar. Und auf diese Basis kommen nun unsere ganz unterschiedlichen Lebenserfahrungen und Familienmodelle. Und eine grosse innere Motivation, miteinander WOL zu erleben. Jede mit ihrem Ziel, das nichts mit Kindern zu tun hat, sondern ganz persönlich ist. Eine wertvolle Insel für Familienfrauen, die häufig durch ihr Umfeld fremdgesteuert sind. Ich mache etwas FÜR MICH! Schaff ich das auch?

Wir fahren also zweigleisig. Wir dürfen die spannende Erfahrung teilen, als Circle gemeinsam WOL zu erleben. Gleichzeitig spielen unsere Rollen, Schwierigkeiten und Lösungen im Spannungsfeld Beruf und Familie hinein. Und nein, ich mach mir keine Sorgen mehr wegen fehlender Diversität- diese ist durch unsere unterschiedlichen Berufe und Lebenserfahrungen gewährleistet. Im Gegenteil habe ich das Gefühl, dass unsere Gemeinsamkeiten uns schneller zu grösserem Vertrauen führen als es in anderen Circles geschehen mag. Wie schade, dass ich noch 7 Tage warten muss bis zum nächsten Treffen!

Digitalisierung und Hochschule- warum brauchen wir neue Studienkonzepte?

Die Digitalisierung kann massiv dazu beitragen, die akademische Lehre insgesamt attraktiver, individualisierter, effektiver und flexibler zu gestalten. Neue, vor allem digitale Lernformate kommen den Forderungen nach zeit- und ortsunabhängigem Lernen, Flexibilität und personalisierten Lernwegen entgegen. Diese studentischen Forderungen werden immer gewichtiger aufgrund einer Zunahme von nicht-linearen Bildungswegen, einer parallelen Berufsausübung, einer Volatilität der Berufsdefinitionen und der vermehrten Nutzung digitaler Instrumente auch in der Ausbildung. Gleichzeitig erwartet die Arbeitswelt heute von den zukünftigen Arbeitnehmern, dass sie ein grosses Set an sogenannten “Soft Skills” oder “Kompetenzen für die digitalisierte Arbeitswelt” mitbringen. Dazu gehört insbesondere Problemlöse-Fähigkeit, kritisches Denken, Kreativität, Empathie, Teamfähigkeit (inklusive Kommunikationsfähigkeit und die Fähigkeit zum kollaborativen Arbeiten) und Entscheidungsfähigkeit. Die Vermittlung dieser Kompetenzen wird im heutigen traditionellen (Schweizer) Bildungswesen noch massiv vernachlässigt.

Die Digitalisierung eröffnet ganz neue Möglichkeiten für dieses individualisierte Lernen und für den Erwerb der oben genannten, nicht-fachlichen Kompetenzen. Dazu gehören insbesondere neue, digitale und flexible Lernformate, aber auch neue Formen des Lernens, welche durch digitale Formate erleichtert werden.

So ist breit anerkannt, dass Studierende, die in ihrem Studium durch selbst-gesteuertes oder personalisiertes Lernen viele Freiheitsgrade erleben, persönliche/nicht-fachliche Kompetenzen erwerben, welche in der heutigen Arbeitswelt immer mehr gefordert werden. Unbestritten ist auch die Wichtigkeit von sozialen und kollaborativem Lernen, durch welches Prozesse eingeübt werden können, die in der heutigen Arbeitswelt Standard sind und die als natürliche Form des Lernens gelten. Weiter gilt das Verständnis von und die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen als wichtig. “Deep Learning”, realitätsnahe Unterrichtsmethoden mit problem- projekt- und forschungsbasiertem Lernen, die kritisches Denken, Problemlösen, Zusammenarbeit und selbstbestimmtes Lernen fördern, sind ein weiterer Zweig beim Erwerb nicht-fachlicher Kompetenzen, wie auch die Integration von Unternehmertum ins Studium und die damit einhergehende Förderung einer Innovationskultur.

Die vermehrte Verwendung digitaler Medien und Werkzeuge im Unterricht führt zu neuen Lernformaten, die eine grosse Flexibilisierung und Personalisierung erlauben und damit die Lehre für die heutigen Studierenden attraktiver und für nicht-traditionelle Studierende eventuell erst möglich machen. Während heute die Hochschulen vor allem im Grundstudium immer noch stark von der Präsenzlehre geprägt sind und umfassende digitale Lernformate primär als Einzelinitiativen eingesetzt werden, wird davon ausgegangen, dass der Anteil digitalem Lernstoff an der Hochschule auf rund ¾ steigt und vermehrt im Blended Learning oder Flipped Classroom unterrichtet wird.

Die Bereitstellung digitaler Inhalte unterstützt gleichzeitig den selbst-gesteuerten oder personalisierten Unterricht insofern, dass sie dem Studierenden erlaubt, selbständig aus einer Vielzahl zur Verfügung gestellter Quellen auszuwählen. Weiter erlauben die diversen Werkzeuge des Web 2.0 den Aufbau einer persönlichen Lernumgebung (PLE) im Sinne einer Sammlung von virtuellen, vertrauensvollen Quellen diverser Natur und einer (persönlichen) Plattform zur Verarbeitung und Sichtbarmachung von Gelerntem. Diese Lerntagebücher und Portfolios gelten dabei als eine neue Form des Assessements, welche auch die nicht-fachlichen Kompetenzen einbezieht. Eine persönliche (offene) Lernumgebung ist damit das moderne, agile Gegenstück eines traditionellen LMS. Gleichzeitig ermöglicht sie ein “richtiges” soziales und kollaboratives Lernen, das dank virtueller Vernetzung mit Personen und Institutionen über den engen Kreis der Mitstudierenden hinausgeht und sich damit am lebenslangen Lernen orientiert.

Werden solche Massnahmen wie projekt-basierter Unterricht, selbstbestimmtes Aussuchen von Ressourcen oder Erstellen eines e-Portfolio als Einzelinitiativen in einen bestehenden Studiengang eingebettet, wirken sie als Fremdkörper, als Zusatzaufgabe, und führen nicht zu einer Veränderung des Lernverhaltens und damit zum Erwerb neuer Kompetenzen. Digitales Lernen und damit einhergehende neue Lernformen müssen als Grundsatz für das ganze Curriculum gelten, um akzeptiert und inkorporiert zu werden. Gleichzeitig müssen die Studierenden daran herangeführt werden. Nach jahrelangem konsumierendem Lernen ist diese Veränderung zu selbstbestimmtem Lernen etwas, das nicht von alleine geschieht. Es kann im Gegenteil zuerst als nachteilig wahrgenommen werden, da es vom geradlinigen („schnellen“) formalen Autobahn-Lernen zu einer kurvenreichen Strasse mit vielen Abzweigungen führt, welche vom Studierenden als ineffizient wahrgenommen werden kann. Es ist also die grosse Herausforderung für die Lernbegleiter, die Freude an Umwegen zu wecken und die getätigten Wege, nicht nur die Lernresultate zu würdigen. Und dies beginnt wieder im analogen Raum, in der Lehrveranstaltung, die Zeit und Raum lässt für Fragen, Diskussionen, Ausprobieren und Scheitern.

Referenzen

  • Notions of Disruption- Digital Competences; Sabine Seufert; Nov 2017. Explorative Studie des Schweizerischen Wissenschafts- und Innovationsrates; https://www.swir.ch/de/publikationen-de
  • The Future of Jobs Report- Employment, Skills and Workforce Strategy for the Fourth Industrial Revolution; World Economic Forum; January 2016 http://reports.weforum.org/future-of-jobs-2016/
  • NMC Horizon Report: 2017 Higher Education Edition. Adams Becker, S., Cummins, M., Davis, A., Freeman, A., Hall Giesinger, C., and Ananthanarayanan, V. (2017)., Austin, Texas: The New Media Consortium.
  • Trendstudie Digitale Bildung auf dem Weg ins Jahr 2025; mmb Institut- Gesellschaft für Medien- und Kompetenzfoschung mbH, Essen 2016
  • Anforderungen der Digitalisierung an Hochschulen, hochschulstrategische Prozesse und Hochschulpolitik; Projekt Hochschule der Zukunft, Fernhochschule Hagen; März 2018
  • Monitor Digitale Bildung- Die Hochschulen im digitalen Zeitalter; Dr. Ulrich Schmid et al.; CHE Centrum für Hochschulentwicklung/BertelsmannStiftung, März 2017 CC-BY-ND, DOI 10.11586/2017014

5 Fremde auf neuen Abenteuern

Es war eine ganz kurze Email: Liebe Monika, leider kann ich morgen nicht an unserem WOL Circle teilnehmen. Gruss. Ich runzelte meine Stirn. Eine leichte Beunruhigung erfasste mich. Was war geschehen? Warum konnte sie nicht teilnehmen- sie, die seit Beginn nicht einmal den Circle versäumt hatte? Und dann nur so eine kurze Nachricht? Meine Sorge wuchs. War etwas geschehen??

Ich hielt einen Moment inne. Ich machte mir also Sorgen um einen Menschen, den ich nur virtuell kannte- mit Ausnahme einer kurzen unpersönlichen Begegnung an einer Konferenz. Der mir aber offensichtlicherweise etwas bedeutete. Wie die anderen 3 Circle Mitglieder auch- bei jedem hätte ich mir die gleichen Gedanken gehabt. Was war es, dass uns so verband, dass jeder bei Abwesenheit eine Lücke hinterliess?

Vor 10 Wochen waren wir noch Fremde. Wir kannten voneinander die Namen, in welcher Organisation wir arbeiteten, und unsere Motivation, einem WOL Circle beizutreten. Dementsprechend waren die zwei ersten Treffen noch ein wenig steif. Wir mussten uns zuerst kennenlernen, und ich als Moderator versuchte dafür zu sorgen, dass jeder gehört wurde und sich sicher fühlte, sich zu äussern. Dabei war es ein Vorteil, nichts voneinander zu wissen, keine gemeinsame Geschichte zu haben. Ohne Ballast ging es ums Wesentliche: Zusammen «Working Out Loud» auszuprobieren, etwas Neues anzugehen. Und das war auch schon die erste Bande: Neugier, Experimentierwillen und auch ein wenig Mut. Keiner von uns wusste, was die nächsten 12 Wochen genau bringen würden.

Schon bald erfuhren wir mehr übereinander. Ja, klar, die berühmte Übung «50 facts» aus Woche 5 gehörte natürlich dazu. Es gab lustige Übereinstimmungen, spannende Informationen und unerwartete Facetten aus dem Leben der Anderen. Doch viel wichtiger waren die Diskussionen über die eigene Einstellung gegenüber der Online-Präsenz, über Grosszügigkeit und Empathie, über das Aufeinanderzugehen und wie man selbst behandelt werden möchte. Die Meinung der anderen, ihre Erfahrungen und persönliche Geschichten und ihr input wurde so wichtig, dass es in Woche 9 hiess: Teilen wir die Top-Ten Ressourcen miteinander??

So lernten wir von und miteinander, machten mit gegenseitiger Unterstützung kleinere und grössere Schritte auf unser Ziel zu und nahmen aus WOL, was für uns jeweils passte. In gegenseitigem Respekt und mit geteilter Freude bei allem, was klappte und passierte. Es war eine Erfahrung, die nur wir miteinander teilten und die uns verband. Uns, fünf zumal Fremde, die nun ein gemeinsames Erlebnis hatten. Und die sich nun auf eine Weise kannten oder eben auch nicht kannten, wie es wohl nur ein WOL Circle hervorbringen konnte.

Mit wachsendem Vertrauen kam das Selbstvertrauen und das Verlangen, von sich aus beizutragen. Es brauchte mich als Moderatorin nicht mehr. Meine einzigen Aufgaben waren noch das virtuelle Meeting zu organisieren, die Einstiegsfrage zu stellen, und vielleicht hin und wieder die Diskussion zur nächsten Übung zu bringen. Der Circle war erwachsen geworden, hatte den Flow erreicht. Einfach perfekt!

Es war übrigens nichts. Nichts Schlimmes, nur gerade eine Zeit, in der WOL kurzfristig keinen Platz fand. Wir vereinbarten eine neue Zeit an einem anderen Tag um das nächste Circle Meeting abzuhalten. Denn allen war wichtig, dass möglichst alle Teilnehmer dabei sein konnten. Sonst war da wieder diese Lücke, diese fehlende Meinung zur nächsten Übung, die fehlende Perspektive zum Thema der Woche.

Schon bald würde der Circle zu Ende sein. Für mich ist jetzt schon klar, dass ich auch diese Teilnehmer nicht aus den Augen verlieren möchte, dass ich neugierig bin, was WOL in ihrem Leben weiter anstellen würde, und dass ich den wöchentlichen Austausch vermissen werden. Danke, liebe Circle Members, für das gegenseitige Vertrauen und die spannende, gemeinsame Reise!

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Der erste einfache Schritt zur digitalen Präsenz- Dein Berufsprofil (2)

Wir beginnen ganz klein, ganz einfach. Mit etwas, das hierzulande jeder hat. Deinen formalen Qualifikationen- Deine Ausbildung, Deine Berufserfahrung. Dies gehört in ein Business-Network wie LinkedIn oder Xing. Welches der beiden Netzwerke Du nutzt, hängt von Deinen Vorlieben ab- und wo mehr Personen zuhause sind, die Du bereits kennst. Bei mir ist dies LinkedIn.

Unter https://de.linkedin.com/ kannst Du ganz einfach einen Account eröffnen. Bedenke beim Entscheid, welche email Adresse Du verwenden willst, dass Dir LinkedIn Nachrichten schickt. Du kannst zwar einstellen, wieviele und welche emails Dir geschickt werden sollen. Aber falls Du wie ich eine „Spam-Adresse“ besitzt, ist es von Vorteil, diese anzugeben.

Nach der Eröffnung Deines Accounts wirst Du durch den Prozess des Ausfüllens geführt. Schon nach wenigen Klicks werden Dir potentielle Kontakte vorgeschlagen. Du kannst, musst diese aber nicht auswählen. Vielleicht möchtest Du zuerst Dein Profil erstellen, bevor Du Dich weiter verknüpfst. Das gleiche gilt für die vorgeschlagenen Themen.

Du kannst dann erste Angaben machen und wirst aufgefordert, ein Foto hochzuladen. Dies solltest Du unbedingt tun! Denn nicht nur ist so Dein Profil persönlich, es könnte auch mehrere Personen mit Deinem Namen geben. Auf der linken Seite erscheint eine erste Vorschau auf Dein Profil. Klicke darauf, um mehr Informationen über Dich einzugeben.

Du kannst eine erste Ausbildung eingeben, Kenntnisse in Form von Stichworten beifügen und wirst aufgefordert, eine Zusammenfassung über Dich zu schreiben. Dies ist der erste Punkt, wo Du die Möglichkeit hast, auch Deine Interessen kundzutun. „Pharmazeutin mit mehreren Jahren Erfahrung in Forschung und Akademie, heute interessiert an neuen Formen des Lernens und der Persönlichkeitsentwicklung im Zuge der Digitalisierung“. Du musst nicht stundenlang darüber nachdenken, was Du genau dort reinschreiben willst. Bist Du eine Weile auf LinkedIn unterwegs, wirst Du bei anderen Profilen sehen, welche Art von Beschreibung Du magst und welche weniger. Dies wird Dich inspirieren, wie Deine eigene Beschreibung klingen soll. Du kannst sie dann jederzeit ändern.

Nun hast Du schon einmal das Fundament gelegt. Durch Klicken des + kannst Du weitere Einträge machen, der Stift bringt Dich in den Editor Modus. Fülle alles ein, dass Du bereits erreicht hast. Du kannst auch Mediendateien beifügen, zum Beispiel ein Arbeit, den Du mal geschrieben hast, oder einen Flyer zu einem Angebot. So kannst Du Deine Kenntnisse noch weiter unterstreichen.

Noch persönlicher machen kannst Du Dein Profil durch das Hinzufügen eines Profilbildes und eines Profil-Slogans. Dies geschieht im obersten Feld mit Deinem Namen. Beides würde ich Dir unbedingt anraten. Denn es sind auch diese Dinge, die Dich zu Dir machen und nicht zu jemandem ohne Gesicht. Oder mit welchem dieser drei Profile würdest Du am ehesten Kontakt aufnehmen?

Das war gar nicht so schwierig bisher, oder? Dann los, die ersten Kontakte suchen. Es geht nicht darum, möglichst schnell auf 500+ Kontakte zu kommen. Ehrlich gesagt, sind mir solche Personen jeweils auch ein wenig suspekt- haben die wirklich eine Gemeinsamkeit mit so vielen Leuten? Ein kleineres, aber gutes Netzwerk ist mehr wert als viele Kontakte, die man kaum kennt. Und ausweiten wird sich Dein Netzwerk über die Zeit sowieso. Also beginn mal mit Personen, die Du wirklich kennst. Suche Deine Arbeitskollegen, Studienfreundinnen, gute Kollegen. Kennst Du sie gut, kannst Du Dich ohne grossen Kommentar vernetzen. Ist der Kontakt länger her, mach es persönlich: Schreib eine kurze Nachricht, woher Ihr Euch kennt und warum Du Dich gerne vernetzen möchtest. „Liebe Sabine, wir arbeiteten vor 3 Jahren gemeinsam am Projekt „neuer Flyer“ für die Firma XY, was grossen Spass machte. Ich würde mich freuen, mich hier mit Dir zu vernetzen“. Hättest Du nicht auch Freude, eine solche Anfrage zu bekommen?

Falls Du nun noch Zeit und Muse hast, weiter nach Kontakten zu suchen, ist ein guter Weg, die Kontakte anderer Leute anzusehen. Wir alle sind ja in Netzwerke eingebunden, und nicht selten überschneiden sich die. Beim alten Schulkameraden findest Du gleich 2 weitere Mitstreiter von damals. Und der frühere Mitarbeiter arbeitet heute mit einer Mitstudentin von Dir zusammen. Die Welt ist ja bekanntlich klein.

Nun hast Du bereits einen wichtigen, ersten Schritt zur digitalen Identität getan! War nicht so schwierig, oder? Doch was bringt dieser erste Schritt? Und wie geht es jetzt weiter?

Zuerst einmal bist Du ab sofort sichtbar. Es wird nicht lange dauern, und Dein LinkedIn Profil erscheint in den Resultaten einer Google Suche nach Deinem Namen. Man kann Dich finden, hat einen ersten Eindruck von Dir, Deinen Kenntnissen und Interessen, und weiss, wie man Dich kontaktieren kann. Schon das kann sehr hilfreich sein. Denn vielleicht sucht Dein früherer Mitarbeiter gerade jemanden wie Dich für sein neues Team?

Gleichzeitig wirst Du aber auch informiert. Jedes Mal, wenn Du Dich nun bei LinkedIn einloggst, erhältst Du auf der ersten Seite Nachrichten zu Deinen Kontakten. Hast Du eher schweigsame Kontakte, werden dies vor allem Status Updates sein- hat einen neuen Kontakt, hat einen neuen Job, hat ein neues Interesse. Gehörst Du zu den Glücklichen mit aktiveren Kontakten, werden Artikel erscheinen- Links zu interessanten Beiträgen oder selbstgeschriebene Texte. Je mehr sich Deine Interessen mit denen Deiner Kontakte überschneiden, desto wertvoller und lernreicher werden diese Informationen für Dich sein.

Und hier werden wir das nächste Mal auch weitermachen. Ich werde Dir zeigen, wie Du diesen Informationsfluss noch besser auf Dich abstimmen und wo Du weitere, noch gezieltere Informationsquellen finden kannst. Denn Deine digitale Präsenz ist mehr als bloss Daten über Dich. Es kann eine persönliche Umgebung werden, die zeigt was Du kannst und was Dich interessiert. Und die Dich beim Lernen und Dich Weiterentwickeln unterstützt. Warte es nur ab!

unsplash-logoTemple Cerulean

4 Voraussetzungen für PLEs in der Lehre

Aus Anlass der Buchveröffentlichung „Weiterbildung an Hochschulen“ war auf dem Blog der PHZH ein älterer Beitrag (Sep 16) von Philippe Wampfler verlinkt.

Er spricht darin persönlichen Lernumgebungen/Personal Learning Environments (PLEs) an: Lernende dokumentieren ihre Lernprozesse im Austausch mit Fachpersonen und anderen Lernenden in selbstgestrickten Umgebungen. Die Rolle der Sozialen Medien ist dabei die des Kitt zwischen verschiedenen geschlossenen Systemen, in denen sich die Teilnehmenden bereits aufhalten. Wenn möglich soll die Wahl der Tools und Formate den Lernenden überlassen werden. Dozierende regen einen Austausch über informelle und berufliche Lernprozesse an und bieten Angebote zur Verknüpfung unter den Lernenden an.

MindMap Darstellung einer PLE. Aus „Demenz oder Doping?“ von Philippe Wampfler

Das klingt zunächst einmal sehr überzeugend. Die Erstellung einer persönliche Lernumgebung ist für selbst-bestimmtes Lernen unabdingbar, welches wiederum ein essentieller Bestandteil des lebenslangen Lernens ist. Aus meiner Sicht eine der wichtigsten Kompetenzen, welche wir Lernenden aller Altersklassen heute näher bringen müssen. Eine persönliche Lernumgebung geht einher mit einer persönlichen Plattform, auf der die Lernprozesse- ich möchte es lieber „Einsichten“ nennen- sichtbar werden. Diese ist gleichzeitig ein digitales Portfolio des Lernenden und ermöglicht ihm eine erste digitale Präsenz. (Warum jeder eine digitale Präsenz haben sollte). Dass diese eine „selbstgestrickt Umgebung“ sein sollte und „die Wahl der Tools und Formate den Lernenden überlassen werden“ sollte, versteht sich für mich fast von selbst. Denn man arbeitet nur gut, wenn man sich mit den Werkzeugen wohl fühlt. Wobei sich Wunsch und Realität nicht immer ganz in Einklang bringen lassen.

Doch jetzt kommt der richtige Knackpunkt. Dozierende regen einen Austausch über informelle und berufliche Lernprozesse an und bieten Angebote zur Verknüpfung unter den Lernenden an. Vernetzung und Austausch. Anregen. Der Dozierende. Oder vielleicht in diesem Zusammenhang: Der Lerncoach. Denn er sollte ja nicht mehr so viel dozieren. Doch wie regt er an? Kann Vernetzung und Austausch „beordert“ werden? Nein, dass das nicht funktioniert, zeigen die vielen fast leeren Enterprise Social Networks, die Firmen in bester Absicht ihren Mitarbeitern zur Verfügung stellen. Noch schwieriger macht die Situation in der Lehre die beschränkte Anzahl potentieller Teilnehmer. Ausgehen davon, dass in einer Community nur 1% der Mitglieder aktiv sind, wären dies bei 100 Lernenden eine Person.

Es gilt also, genau zu betrachten, was in diesem Kontext möglich ist und wie es erreicht werden kann. Lernende dazu zu animieren, sich selbst Quellen zu suchen, ist dank Google und Co keine unlösbare Aufgabe. Auch die Erstellung einer Lernplattform, um diese Inhalte oder eigene Arbeiten zu präsentieren, sollte realisierbar sein. Doch nun kommt der Kitt ins Spiel: Die Sozialen Medien zur Verknüpfung der Lernenden für den Austausch untereinander, aber auch ihrer Vernetzung nach aussen zur Erweiterung der Lernumgebung von reinen Suchresultaten zu inspirierenden Quellen und für das Teilen eigener Arbeiten. Mit dem zusätzlichen Anspruch, dass das Tool vom Lernenden selbst gewählt werden kann.

Schema einer persönlichen Lernumgebung im Sinne des persönlichen Wissensmanagements. Über die sozialen Medien werden Inhalte gefunden, auf der persönlichen Plattform verarbeitet und wiederum über die sozialen Medien geteilt. Dabei entsteht ein digitales Portfolio und eine digitale Präsenz.

Ich behaupte jetzt mal: Das geht so einfach nicht. Aber: Man kann die Lernenden wenigstens dazu hinführen. Voraussetzung 1: Der Lerncoach ist ein Vorbild, hat eine eigene persönliche Lernumgebung und ist auf den Sozialen Medien sehr aktiv. Er vernetzt sich mit seinen Lernenden und bindet sie ein, gibt ihnen Feedback, so dass sie ein erstes Gefühl fürs Social Learning kriegen. Voraussetzung 2: Hinter dem Lerncoach steckt bereits ein (kleines) Netzwerk, welches ebenfalls mit den Lernenden interagiert und somit ihre Lernumgebung erweitert. So können die Lernenden die Möglichkeiten der Vernetzung erleben und motiviert werden, selbst weiterzusuchen. Voraussetzung 3: Der Lerncoach übt mit den Lernenden Empathie und Grosszügigkeit. Sie sollen dafür sensibilisiert werden, dass ein Netzwerk nur dann funktioniert, wenn die Arbeit von anderen anerkannt wird und wenn man eigene Beiträge leistet. Sie sollen lernen, wertvolle Quellen zu würdigen, in dem sie Kommentare hinterlassen, oder eigene Ideen oder Arbeiten vorzustellen und für Kommentare offen zu halten. Beginnend in der Gruppe der Lernenden, aber dann unbedingt anzuwenden auf die erweiterte Lernumgebung. Voraussetzung 4: Der Lerncoach diskutiert mit den Lernenden ihre persönliche Plattform nicht nur unter dem Aspekt des „Lernfortschrittes“, sondern im weiteren Kontext des digitalen Portfolios und der Wichtigkeit einer digitalen Präsenz für ihre weitere Laufbahn und dem Arbeiten in einer digitalisierten Welt. Somit soll die Lernumgebung vom- je nach Alter der Lernenden- belastenden Begriff „Lernen“ abgekoppelt und ein längerfristiger Sinn vermittelt werden.

Um sich auf diese Reise einzulassen, braucht es viel Kompetenz und Offenheit nicht nur vom Lerncoach, sondern auch von den Lernenden. Wieviele der Lernenden dazu bereit sind, beziehungsweise wie lange es brauchen wird, bis diese Art von Lernen nicht mehr als exotisch und anstrengend wahrgenommen wird, wird sich im nächsten Jahrzehnt zeigen. Ich bin gespannt!

Demenz oder Doping? Social Media in der Weiterbildung

Warum jeder eine digitale Präsenz haben sollte (1)

Die digitale Präsenz- das Sichtbarmachen der eigenen Person, der eigenen Arbeit und der eigenen Ideen- ist ein Thema, das mich sehr beschäftigt. Ich bin überzeugt, das eine digitale Präsenz von enormer Wichtigkeit ist, speziell in der heutigen Lern- und Arbeitswelt. Deswegen möchte ich anderen Menschen näher bringen, warum ich sie wichtig finde und was sie ihnen für Möglichkeiten eröffnet. Dies ist der erste Teil einer Serie kurzer Blog Beiträge zum Thema.

Warum jeder eine digitale Präsenz haben sollte (1)

Hast Du Dich schon einmal selbst gegooglet? Was hast Du dabei gefunden? Ein veraltetes Linked Profil? Ein Facebook Profil mit Urlaubsfotos und Katzenvideos? Einen Hinweis auf Deine Masterarbeit vor 10 Jahren? Nun stell Dir vor, jemand sucht Dich online. Du hast Dich auf eine neue Arbeitsstelle ausserhalb Deines Kerngebietes beworben. Ein Freund hat Dich jemandem als Experte im Bereich Drohnen empfohlen. Eine frühere Arbeitskollegin weiss, dass Du Dich gut mit interkultureller Kommunikation auskennst. Werden diese Personen die Informationen über Dich finden, die sie suchen? Oder bist Du online eine Black Box?

Ich durfte es anfangs dieses Jahres selbst erleben. Ich sass im Vorstellungsgespräch. Die Stelle: super spannend. Mein Interesse: riesig. Meine formalen Qualifikationen (Abschlüsse, Diplome): keine. Meine bisherige Arbeitserfahrung: das neue Gebiet nur streifend. Trotzdem war ich eingeladen.

Es zeigte sich im Laufe des Gespräches, dass sie alles über mich studiert hatten. Meinen Blog, in dem ich über das Thema schrieb. Meinen Online-Kurs, den ich konzipiert und durchgeführt hatte. Mein LinkedIn Profil, mehr gespickt mit meinen momentanen Interessen als meinen formalen Abschlüssen. Und vielleicht haben sie sogar bemerkt, dass ich auf Twitter bereits ein veritables Netzwerk zum Thema hatte.

Ich bekam die Stelle. Man stelle sich vor, ich hätte ihnen bloss einen formalen Lebenslauf vorlegen können! Ich wäre kaum über die erste Runde gekommen.

Wir machen unsere Abschlüsse, vielleicht noch ein paar Weiterbildungen, doch kaum zeigen wir, was wir im Laufe der Zeit alles noch gelernt haben. Oder für was wir wirklich brennen- sei es Hobby oder Beruf. Wir teilen unser Wissen nicht. Weil wir es uns nicht gewohnt sind. Weil wir Angst haben öffentlich zu sein. Weil wir nicht an unser Wissen und unsere Einzigartigkeit glauben. Weil wir nicht wissen, wie wir es anzugehen haben.

Doch damit verschliessen wir uns Möglichkeiten! Wer nicht sichtbar ist, kann auch nicht gefunden werden. Kann nicht für eine Kollaboration in einem neuen Projekt angefragt werden. Für seinen Expertenrat. Für eine Vernetzung und für Austausch. Oder würdest Du Dich an ein verlassenes Profil in den Sozialen Medien wenden?

Jaja, ich weiss. Du hast keine Zeit dafür, weisst nicht wie, und vorallem denkst Du, Du hast gar nix zu sagen. Stimmt alles nicht. Ich zeige Dir im Laufe dieser Blog Serie, wie Du ganz einfach starten kannst. Dass Du viel mehr weisst und kannst, als Du denkst. Und wie Du Deine Sichtbarkeit mit Deinem persönlichen lebenslangem Lernen verknüpfst, so dass alles aus einer Hand geht. Und wie für Vieles gilt: Ein kleiner Schritt ist bereits mehr als kein Schritt. Also bleib dran! Bis bald.

Was den Menschen von der Maschine unterscheidet- Kompetenzbildung für die digitalisierte Welt

Ich schaudere ja häufig, wenn ich lese oder höre, was die Leute unter “digitalen Kompetenzen” verstehen, gerade im schulischen Bereich. Da mockiert sich eine Mutter, dass am Elternabend eine Folie mit dem Hellraumprojektor gezeigt und kein Beamer benutzt wurde. Oder dass nur ein Computer im Schulzimmer des Erstklässlers stehe. Oder dass es keinen “Medien-Beauftragten” an der Schule gäbe. Dabei umfasst der Begriff Digitale Kompetenzen viel mehr als die blosse Anwendung von digitalen Medien oder Geräten!

Martin Linder hat mich glücklicherweise auf eine neue Publikation von Sabine Seufert hingewiesen. Im Zusammenhang mit der explorativen Studie “Notions of Disruption” des Schweizerischen Wissenschafts- und Innovationsrates SWIR hat sie ein Kapitel zu Digitalen Kompetenzen verfasst. Die sehr umfassende Betrachtung bringt den Begriff auf eine höhere Ebene. Sabine Seufert postuliert, dass der Kern der digitalen Transformation die zunehmende Interaktion von Mensch und Maschine ist und Digitale Kompetenzen (auch) in diesem Zusammenhang definiert und gelehrt werden müssen. Dabei geht es als Grundlage um Digital Literacy, also der Fähigkeit, digitale Technologien anzuwenden, und um Digital Citizenship, den sozioökonomischen Aspekten wie der Definition von Normen und Werten einer Gesellschaft für den verantwortungsvollen Umgang mit den Technologien. Darüber steht die Persönlichkeitsentwicklung in der digitalisierten Welt: das Sich-Bewusstwerden und die weitere Entwicklung derjenigen menschlichen Fähigkeiten, die sie von Maschinen unterscheiden. Dazu gehören unter anderem kritisches Denken, Innovation, Kreativität und Empathie. Diese Eigenschaften können nicht nur synergistisch die Mensch-Maschine-Interaktion weitertreiben. Sie sind auch Voraussetzung dafür, in einer digitalisierten Welt eine Arbeitsumgebung zu schaffen, die für den Menschen vorteilhaft ist, und damit für zukünftige Führungspersonen essentiell.

Sabine Seufert reflektiert, wie solche weitergefassten Digitalen Kompetenzen im gesamten Bildungsbereich umgesetzt werden könnten. Sie schlägt für jede Bildungsstufe Massnahmen vor und zieht 6 Schlussfolgerungen, welche Voraussetzungen/Massnahmen für eine erfolgreiche Strategieumsetzung vorhanden sein müssten. Damit denkt sie sehr viel weiter und längerfristiger, als fast alles, was ich bis jetzt zum Thema gehört habe.

Eine Umsetzung einer “digitalen Strategie” kann nur in kleinen Schritten erfolgen, in denen die Menschen jeweils auf der Stufe abgeholt werden, auf der sie sich heute befinden. In dem Zusammenhang mag der Artikel von Sabine Seufert schon fast visionär erscheinen. Doch das grössere Bild, die weitreichenderen Anforderungen und die längerfristigen Ziele im Auge zu behalten und in jede Strategie einzubeziehen wird die Erkenntnis ersparen, dass man eben doch zuwenig für den digitalen Kompetenzerwerb gemacht und damit den Anschluss an die Entwicklungen verpasst hat.


Notions of Disruptions- Digital Competences von Sabine Seufert

Während sicher ist, dass alle Industriezweige von der Digitalisierung betroffen sein werden, ist gleichzeitig unklar, was die Zukunft bringt und was dies für den Menschen bedeuteten wird. Gefordert sind digitale Kompetenzen- doch was versteht man genau darunter, und wie können sie erlernt werden? Noch weiter eröffnen die anstehenden Veränderungen fundamentale Fragen: In was für einer Gesellschaft möchten wir leben? Was leistet die Wirtschaft dazu? Und welche Vorstellung von der Menschheit haben wir in Bezug auf die Mensch-Maschine Interaktion? Denn die Digitalisierung wird signifikante Veränderungen in den Funktionen und dem Verhalten auf allen, der persönlichen, der organisatorischen und der sozialen Ebene mit sich bringen.

Ein Schlüsselfaktor für diese Veränderungen ist die Augmentation. Während ein grosser Teil des Machine Learnings- also der Entwicklung von lernenden Algorithmen, welche schlussendlich Voraussagungen treffen können- sich auf deren Automation beziehen (zB selbstfahrende Autos), ist das interaktive Machine Learning der Teil, in dem Maschinen mit Hilfe von menschlichen Fähigkeiten lernen und beide gemeinsam Probleme lösen. Es ist eine Kombination von Datenanalyse durch die Maschine und menschlicher Intuition und Erfahrungswissen. Beispiele dafür sind persönliche Assistenten (kognitive Augmentation), hirn-gesteuerte Exoskelette (physische Augmentation), soziale Roboter (emotionale Augmentation) und Lernkompetenzen unter Verwendung digitaler Medien (kollaborative Augmentation). Diese Augmentationen sind im Gegensatz zur Automation die wahren Herausforderungen, denen wir uns im Zuge der Digitalisierung stellen müssen. Denn nur in der Interaktion mit dem Mensch kann die Maschine umfassende und relevante Ergebnisse produzieren. Und dies bringt eine neue Frage auf: Die Rolle des Menschen im Training von Maschinen. Dabei muss die ganze Gesellschaft mit ihren Werten und Ansichten in die Betrachtungen einbezogen werden (society in the loop). Und es gilt sich zu überlegen, wie Mensch und Maschine miteinander interagieren sollen und wie sie voneinander lernen können.

Dazu nötig sind digitale Kompetenzen. Die EU definiert diese folgendermassen: Digitale Kompetenzen beinhalten den sicheren und kritischen Umgang mit Informationstechnologien in der Arbeit, der Freizeit und der Kommunikation. Die EU teilt die Kompetenzen in 5 Gebiete ein: Information, Kommunikation, Erzeugung von Inhalt, Sicherheit und Problemlösung. In jeder Kompetenz werden drei Ebenen unterschieden: Ein Basiswissen zum praktischen Umgang mit Informationstechnologien, ein fortgeschrittenes Wissen bezüglich deren Anwendung in einem spezifischen Kontext, und eine Persönlichkeitsentwicklung bezüglich Innovation, Kreativität und der Fähigkeit, Wandel hervorzurufen.

Passend dazu definiert das World Economic Forum digitale Kompetenzen als “ein Set von emotionalen, sozialen und kognitiven Fähigkeiten, die das Individuum dazu befähigen, die Veränderungen anzugehen und sich an die Ansprüche der digitalen Welt anzupassen”.

Digitale Kompetenzen in der Bildung

Die digitale Revolution übt klar noch mehr Druck auf das Schulsystem aus, als es bereits ausgesetzt ist. Um aber die neuen Herausforderungen zu bewältigen und nicht abgehängt zu werden, ist eine umfassende Integration des Erlernens digitaler Kompetenzen ins Schul-Curriculum unablässig. Momentan werden sie vorallem als „übertragbare Fähigkeiten“ ins Schulsystem eingegliedert, entweder als eigenes Fach, fächerübergreifend oder extra-curriculär, zum Teil vom Kindergarten an. Das Problem dabei ist die sich rasch verändernde Natur der digitalen Welt, welche formale Inhalte schnell veralten lässt. Gleichzeitig wird unterschätzt, dass viele der geforderten Kompetenzen nicht eigentlich neu sind, wie zum Beispiel kollaboratives Arbeiten. Neu ist, dass diese Kompetenzen auch auf eine andere Ebene gebracht werden müssen, nämlich der Augmentation, der Interaktion vom Mensch und Maschine.

Drei analysierte Studien zu Digitalen Kompetenzen von Schülern und Studenten zeigen zusammenfassend, dass

  • „digital natives“ nicht automatisch digital kompetent sind
  • der Geschlechterunterschied weiter angegangen werden muss. Knaben zeigen weniger “soft digital skills” während Mädchen geringeres Selbstbewusstsein in MINT Fächern besitzen
  • ein umfassender Ansatz in der Ausbildung von digitalen Kompetenzen verfolgt werden muss
  • „Information literacy“, als eine der allerwichtigsten Kompetenzen. noch massiv verbessert werden muss

Momentan besitzt die Schweiz keine nationale Strategie zur Implementation digitaler Kompetenzen in die Schule. Während der Lehrplan 21 das Thema zwar aufnimmt, geschieht dies als eigenes Fach “Medienkompetenzen”. Digitale Kompetenz wie hier vorgestellt, wird nicht berücksichtigt. Es ist zu befürchten, dass sowohl Fragen zur zukünftigen Gesellschaft und ihrer Interaktion mit Maschinen als auch die dazugehörigen Kompetenzen in der Ausarbeitung von Lehrplänen zu kurz kommen oder gar nicht vorhanden sind. Für den klugen und verantwortungsvollen Umgang mit Technologien sind sie aber unabdingbar.

Welche digitalen Kompetenzen brauchen wir?

In einer digitalen Gesellschaft bilden die digitalen Fähigkeiten und die digitale Bürgerschaft das Fundament, während die Persönlichkeitsentwicklung darüber liegt.

Digital literacy: Grundwissen und Verstehen von Technologien und erste Gedanken zur Mensch-Maschine Interaktion.

Beispiele: Grundwissen im Programmieren, Verständnis der verschiedenen Ansätzen von Artifical Intelligence, Grundwissen in Kryptologie und Datensicherheit.

Digital Citizenship: Einbezug des sozioökonomischen Einflusses der Digitalisierung. Vorbereitung auf ein Leben in einer digitalen Gesellschaft. Normen für den verantwortungsvollen Umgang mit Technologien. Bisher wurde der Einfluss von neuen Technologien auf die Gesellschaft von den Älteren über eine gewisse Zeit ausgelotet und eingebracht. Heute lernen Ältere und Jüngere die Technologien gemeinsam kennen und diese entwickeln sich so rasch, dass deren Einfluss kaum beobachtet und gesteuert werden kann.

Beispiele: Digitale vs analoge Gesellschaft. Veränderungen in der Selbstdefinition der Menschheit in der Gesellschaft von Robotern. Der Wert von Informationen und Daten- Kommerzialisierungen.

Persönlichkeitsentwicklung: ergänzende Zusatzkompetenzen

Während in den letzten Jahren der Umgang mit Computern erlernt werden musste, ist dieser heute schon fast natürlich. Gleichzeitig ist er fundamental anders als der Umgang mit Menschen. Der Dialog ist objektiv und flach, ohne Kontext, Emotionen und Tiefgang. Dieser menschlichen Kompetenzen müssen wir uns mehr bewusst werden und sie auf eine höhere Ebene bringen. Die Fähigkeit zu Abstrahieren und Generalisieren, Kreativität und Empathie werden immer wichtiger und wertvoller. Die Bewusstwerdung der eigenen Expertise, der sozialen Fähigkeiten und der Selbstkompetenz muss unterstützt und gefördert werden.

  • Expertise: Kern Kritisches Denken
    • Entscheidungsfähigkeit, Recherchentätigkeit, Entdeckungen
  •  Soziale Kompetenz: Kern Empathie
    • Einfühlungsvermögen, soziale Wahrnehmung, Moralische Ansichten von Robotern
  •  Selbst-Kompetenz: Kern Kreativität und Innovation
    • Experimentieren und Reflektieren, Umgang mit Unsicherheiten, Risiken, Regelbrüchen, Neue Lernstrategien

Vorschläge zur vertikalen Integration ins Schul-Curriculum

Als Schlüsselkompetenz gilt die information literacy. Unten aufgeführt sind nur einige Beispiele.

Primarschule

Es sollen vorallem Schlüsselkompetenzen vermittelt werden, dies aber möglichst auf einer individuellen Ebene, um gleichzeitig die Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen.

Digital Literacy: Inhalte in verschiedensten Formaten finden, interpretieren und selbst kreieren. Verschiedene Betriebssysteme kennen.

Digital Citizenship: Etikette, Rechte, Verantwortlichkeiten. Digitale Medien anwenden um Probleme zu lösen oder neue Möglichkeiten zu schaffen.

Transversale Kompetenzen: Epistemologische Basis setzen: Wissen ist nicht stabil, die richtigen Fragen finden, Informationen beurteilen.

Sekundarstufe 1:

Digital literacy: Sich mit Material beschäftigen, es zu kommunizieren und auf verschiedenen Kanälen zu verbreiten.

Digital Citizenship: Kommunikation, Sicherheit

Transversale Kompetenzen: einfaches Programmieren, Probleme lösen, kritisches und innovatives Denken

Sekundarstufe 2:

Digital literacy: Autonomes Lernen, eigene Erweiterung der Fähigkeiten, Informatikunterricht

Digital Citizenship: Gesetze, Handel, Gesundheitswesen

Transversale Kompetenzen: mensch-Maschine-Interaktionen

Vorschläge zur horizontalen Integration in der Berufsausbildung

Das berufliche Umfeld ist von den Einflüssen der digitalen Transformation sehr stark betroffen. In einer Organisation beinhaltet digitale Kompetenz des Individuums einerseits dessen direkten Umgang mit digitalen Werkzeugen, anderseits aber auch sein Erleben und sein Umgang mit der digitalen Welt, um darin arbeiten zu können. In der Berufsbildung sollen die Auszubildenden auf diese sich ändernden Welten vorbereitet werden. Dazu gehört unter anderem lebenslanges und selbstgerichtetes Lernen, problem-basierte Lernszenarien, interdisziplinäres Arbeiten, kollaborative Projekte, MakerSpaces und das Verbinden von formellem und informellem Lernen in allen Lebensaspekten.

Vorschläge zur horizontalen Integration in der Höheren Ausbildung

Die momentane Diskussion zur Vermittlung digitaler Kompetenzen im Hochschulbereich dreht sich vorallem um berufliche und arbeitsbezogene Fähigkeiten. Diese sehr technische und minimalistische Ansicht von digitalen Kompetenzen als “hard skills” vernachlässigt den Aspekt, wie in einer digitalisierten Welt eine Arbeitsumgebung geschaffen werden kann, die für den Menschen vorteilhaft ist. Personalentwicklung sollte als wichtiges Ziel gelten mit Themen wie Problemlösung, verantwortungsvollem Agieren und Persönlichkeitsentwicklung für die zukünftigen Führungspersonen. Die in der Enthumanisierung der Arbeit verlorengegangenen Qualitäten wie Empathie und Kreativität müssen wieder gefördert werden, denn sie sind zentral um die richtigen Fragen zu stellen, zukünftige Szenarien zu entwerfen oder verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Die Herausforderung zukünftiger Führungspersonen ist, gleichzeitig die eigenen Entwicklung voranzutreiben und dafür zu sorgen, dass die gesamte Organisation und ihre Mitarbeiter lernen und sich weiterentwickeln können. Denn Lernen innerhalb einer Organisation wird die Top Priorität.

Beispiele: Problem-basierte Szenarien, digitale entrepreneurship Projekte. Digitale Medien anwenden um Probleme zu lösen oder neue Möglichkeiten zu schaffen. Interdisziplinäre Projektarbeiten im Kontext der Digitalisierung, Entwicklung von Meta-Kompetenzen zur Reflexion über Inhalte und ihren Kontext: information literacy, statistical literacy, critical thinking on results. Kollaborationsmöglichkeiten, MakerSpaces, MOOCs.

Grenzen, Limitationen und Probleme

Um die Verwendung digitaler Medien in den Schulen zu fördern, muss nicht nur ein Kompetenzraster für Schüler vorliegen, sondern es müssen auch die Lehrpersonen ausgebildet und gestärkt werden. Lehrpersonen müssen sich von der Vorstellung lösen, IT nur als Werkzeug zu sehen. Sie sollen sich stattdessen damit beschäftigen, die Fähigkeiten der Schüler so zu fördern, dass diese sich sowohl in der online als auch in der offline Welt entfalten können, auch mit einer Omnipräsenz der digitalen Medien.

Hergebrachte Lehrmethoden werden als massive Barrieren für die Innovation angesehen. Ob Medien im Unterricht verwendet werden, hängt nicht nur von den technischen Voraussetzungen, sondern auch von den Fähigkeiten und dem Willen der Lehrperson ab. Neue Lernformen wie technologie-unterstütztes Lernen, Problem- oder Projekt-basiertes Lernen, kollaboratives Online-Lernen oder Weblogs können nur sehr beschränkt in die traditionellen Modelle integriert werden. Die Herausforderung für Lehrinstitutionen besteht darin, die richtige Balance zwischen dem Ausprobieren neuer Möglichkeiten und dem Ausschöpfen von existierenden Kompetenzen zu finden.

Schlussendlich stellt auch die Anwendung von Big Data, zB im Zusammenhang mit Learning Analytics, neue Herausforderungen bezüglich Privatsphäre, Ethik und Normen.

Schlussfolgerungen 

  1. Führungspersonen und Entscheidungsträger in der Bildung müssen eine Vision für die erfolgreiche Partnerschaft von Mensch und Maschine entwickeln mit dem Ziel, dank komplementären Kompetenzen Synergien zu erhalten.
  2. Es muss ein nationales Kompetenzraster für die Vermittlung digitaler Kompetenzen auf allen Ausbildungsstufen entwickelt werden.
  3. Es werden neue Wege für die Messung und Bewertung digitaler Kompetenzen gebraucht. Das Bewertungssystem muss fundamental geändert werden, vom standardisierten Tests zum Portfolio-System.
  4. Do-it-yourself Lernen muss auf allen Schulstufen ermöglicht werden. Eine neue innere Haltung aus Kreativität, Innovation und Selbstorganisation (sharing culture) sollte aktiv gefördert werden, um die schulische und persönliche Weiterentwicklung zu unterstützen.
  5. Ein Schlüsselfaktor für den Erfolg sind die Lehrer. Es ist eine grosse Initiative zur Förderung deren Kompetenzen nötig, ein systematischer Ansatz für die berufliche Weiterentwicklung von Lehrern.
  6. Digitaler Kompetenzen auf der Organisations-Ebene erfordern weitere Untersuchungen und Analysen in einem eigenen Forschungsgebiet.

WOL, PKM und die digitalisierte Arbeitswelt- eine Einordnung

Was für ein Jahr! Nein, das sage ich nicht jeden Dezember, dieses Jahr war wirklich ein besonderes. Mit vielen Höhen, aber auch Tiefen. Mit ganz viel Gelerntem. Und mit dem grossen Wunsch, das Gelernte weiterzugeben, anderen die Möglichkeiten zu zeigen. Was zum Teil schon lange in meinem Kopf umschwirrt, habe ich nun endlich auf ein Blatt gebracht und zum Teil auch vertextet. Natürlich ist auch dies „Work in Progress“ und nicht abschliessend. Bemerkungen, Inputs und Kritiken sind wie immer nicht nur herzlich willkommen sondern ausdrücklich erwünscht.

Nun freue ich mich riesig, das Begonnene mit Hilfe meines Netzwerkes im neuen Jahr weiterzuführen, auszubauen, zu professionalisieren und bekannt zu machen. Herzlichen Dank an alle da draussen, die zu diesem Werk bisher beigetragen haben!

Im heutigen beruflichen Umfeld werden „Digitale Kompetenzen“ immer wichtiger und wahrscheinlich bald zu einem entscheidenden Faktor. Dazu gehören einerseits „Anwendungskompetenzen“- also die greifbaren Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Produkten und Instrumenten –andererseits aber auch persönliche Kompetenzen wie Unterhalt einer digitalen Präsenz, Lern- und Reflexionskompetenz, Bereitschaft für offene, kollaborative Arbeitsweisen, und eine allgemeine Offenheit, Neugier und Kreativität.

Mein Projekt, welches ich in diversen Kollaborationen entwickle, zielt darauf, Frauen beide Aspekte näher zu bringen, mit Schwerpunkt auf der persönlichen Kompetenzentwicklung. Wir wollen Frauen Werkzeuge vorstellen, welche sie in der digitalen Welt brauchen können und ihnen Methoden aufzuzeigen, wie sie diese Werkzeuge dann für die persönliche Weiterentwicklung und damit einen Auf-, Um- oder Wiedereinstieg einsetzen können.

Konkret geht es darum, sich eine digitale Identität zu erstellen und durch Sichtbarmachung der eigenen Person und Kompetenzen/Arbeiten eine Online-Reputation aufzubauen. Wir zeigen weiter, wie man sich eine persönliche digitale Lernumgebung schafft, online-Netzwerke bildet und sich mit Gleichgesinnten sinnstiftend und reflexiv austauscht. Diese kollaborative, grenzüberschreitende Lern- und Arbeitsweise führt zu einer intensiven Vernetzung und eröffnet dabei unerwartete Möglichkeiten zur Neuausrichtung und Weiterentwicklung.

Zwei etablierte Methoden, mit denen man unter Anwendung von digitalen Werkzeugen zur persönlichen Kompetenzentwicklung gelangen kann, sind Persönliches Wissensmanagement (PKM) und Working Out Loud (WOL). Beide regen dazu an, sich eine digitale Präsenz zu erarbeiten, sich mit anderen zu vernetzen und sich „gebend“ auszutauschen. Persönliches Wissensmanagement ist dabei eine Methode, welche man für sich selbst etablieren kann, während Working Out Loud ein geführtes Selbstlernprogramm in einer kleinen Gruppe während 12 Wochen ist. Beide Methoden werden von mir und meinen Partnerinnen selbst angewendet und haben uns so überzeugt, dass wir sie an andere Frauen für deren persönliche Entwicklung weitergeben zu wollen.