Was den Menschen von der Maschine unterscheidet- Kompetenzbildung für die digitalisierte Welt

Ich schaudere ja häufig, wenn ich lese oder höre, was die Leute unter “digitalen Kompetenzen” verstehen, gerade im schulischen Bereich. Da mockiert sich eine Mutter, dass am Elternabend eine Folie mit dem Hellraumprojektor gezeigt und kein Beamer benutzt wurde. Oder dass nur ein Computer im Schulzimmer des Erstklässlers stehe. Oder dass es keinen “Medien-Beauftragten” an der Schule gäbe. Dabei umfasst der Begriff Digitale Kompetenzen viel mehr als die blosse Anwendung von digitalen Medien oder Geräten!

Martin Linder hat mich glücklicherweise auf eine neue Publikation von Sabine Seufert hingewiesen. Im Zusammenhang mit der explorativen Studie “Notions of Disruption” des Schweizerischen Wissenschafts- und Innovationsrates SWIR hat sie ein Kapitel zu Digitalen Kompetenzen verfasst. Die sehr umfassende Betrachtung bringt den Begriff auf eine höhere Ebene. Sabine Seufert postuliert, dass der Kern der digitalen Transformation die zunehmende Interaktion von Mensch und Maschine ist und Digitale Kompetenzen (auch) in diesem Zusammenhang definiert und gelehrt werden müssen. Dabei geht es als Grundlage um Digital Literacy, also der Fähigkeit, digitale Technologien anzuwenden, und um Digital Citizenship, den sozioökonomischen Aspekten wie der Definition von Normen und Werten einer Gesellschaft für den verantwortungsvollen Umgang mit den Technologien. Darüber steht die Persönlichkeitsentwicklung in der digitalisierten Welt: das Sich-Bewusstwerden und die weitere Entwicklung derjenigen menschlichen Fähigkeiten, die sie von Maschinen unterscheiden. Dazu gehören unter anderem kritisches Denken, Innovation, Kreativität und Empathie. Diese Eigenschaften können nicht nur synergistisch die Mensch-Maschine-Interaktion weitertreiben. Sie sind auch Voraussetzung dafür, in einer digitalisierten Welt eine Arbeitsumgebung zu schaffen, die für den Menschen vorteilhaft ist, und damit für zukünftige Führungspersonen essentiell.

Sabine Seufert reflektiert, wie solche weitergefassten Digitalen Kompetenzen im gesamten Bildungsbereich umgesetzt werden könnten. Sie schlägt für jede Bildungsstufe Massnahmen vor und zieht 6 Schlussfolgerungen, welche Voraussetzungen/Massnahmen für eine erfolgreiche Strategieumsetzung vorhanden sein müssten. Damit denkt sie sehr viel weiter und längerfristiger, als fast alles, was ich bis jetzt zum Thema gehört habe.

Eine Umsetzung einer “digitalen Strategie” kann nur in kleinen Schritten erfolgen, in denen die Menschen jeweils auf der Stufe abgeholt werden, auf der sie sich heute befinden. In dem Zusammenhang mag der Artikel von Sabine Seufert schon fast visionär erscheinen. Doch das grössere Bild, die weitreichenderen Anforderungen und die längerfristigen Ziele im Auge zu behalten und in jede Strategie einzubeziehen wird die Erkenntnis ersparen, dass man eben doch zuwenig für den digitalen Kompetenzerwerb gemacht und damit den Anschluss an die Entwicklungen verpasst hat.


Notions of Disruptions- Digital Competences von Sabine Seufert

Während sicher ist, dass alle Industriezweige von der Digitalisierung betroffen sein werden, ist gleichzeitig unklar, was die Zukunft bringt und was dies für den Menschen bedeuteten wird. Gefordert sind digitale Kompetenzen- doch was versteht man genau darunter, und wie können sie erlernt werden? Noch weiter eröffnen die anstehenden Veränderungen fundamentale Fragen: In was für einer Gesellschaft möchten wir leben? Was leistet die Wirtschaft dazu? Und welche Vorstellung von der Menschheit haben wir in Bezug auf die Mensch-Maschine Interaktion? Denn die Digitalisierung wird signifikante Veränderungen in den Funktionen und dem Verhalten auf allen, der persönlichen, der organisatorischen und der sozialen Ebene mit sich bringen.

Ein Schlüsselfaktor für diese Veränderungen ist die Augmentation. Während ein grosser Teil des Machine Learnings- also der Entwicklung von lernenden Algorithmen, welche schlussendlich Voraussagungen treffen können- sich auf deren Automation beziehen (zB selbstfahrende Autos), ist das interaktive Machine Learning der Teil, in dem Maschinen mit Hilfe von menschlichen Fähigkeiten lernen und beide gemeinsam Probleme lösen. Es ist eine Kombination von Datenanalyse durch die Maschine und menschlicher Intuition und Erfahrungswissen. Beispiele dafür sind persönliche Assistenten (kognitive Augmentation), hirn-gesteuerte Exoskelette (physische Augmentation), soziale Roboter (emotionale Augmentation) und Lernkompetenzen unter Verwendung digitaler Medien (kollaborative Augmentation). Diese Augmentationen sind im Gegensatz zur Automation die wahren Herausforderungen, denen wir uns im Zuge der Digitalisierung stellen müssen. Denn nur in der Interaktion mit dem Mensch kann die Maschine umfassende und relevante Ergebnisse produzieren. Und dies bringt eine neue Frage auf: Die Rolle des Menschen im Training von Maschinen. Dabei muss die ganze Gesellschaft mit ihren Werten und Ansichten in die Betrachtungen einbezogen werden (society in the loop). Und es gilt sich zu überlegen, wie Mensch und Maschine miteinander interagieren sollen und wie sie voneinander lernen können.

Dazu nötig sind digitale Kompetenzen. Die EU definiert diese folgendermassen: Digitale Kompetenzen beinhalten den sicheren und kritischen Umgang mit Informationstechnologien in der Arbeit, der Freizeit und der Kommunikation. Die EU teilt die Kompetenzen in 5 Gebiete ein: Information, Kommunikation, Erzeugung von Inhalt, Sicherheit und Problemlösung. In jeder Kompetenz werden drei Ebenen unterschieden: Ein Basiswissen zum praktischen Umgang mit Informationstechnologien, ein fortgeschrittenes Wissen bezüglich deren Anwendung in einem spezifischen Kontext, und eine Persönlichkeitsentwicklung bezüglich Innovation, Kreativität und der Fähigkeit, Wandel hervorzurufen.

Passend dazu definiert das World Economic Forum digitale Kompetenzen als “ein Set von emotionalen, sozialen und kognitiven Fähigkeiten, die das Individuum dazu befähigen, die Veränderungen anzugehen und sich an die Ansprüche der digitalen Welt anzupassen”.

Digitale Kompetenzen in der Bildung

Die digitale Revolution übt klar noch mehr Druck auf das Schulsystem aus, als es bereits ausgesetzt ist. Um aber die neuen Herausforderungen zu bewältigen und nicht abgehängt zu werden, ist eine umfassende Integration des Erlernens digitaler Kompetenzen ins Schul-Curriculum unablässig. Momentan werden sie vorallem als „übertragbare Fähigkeiten“ ins Schulsystem eingegliedert, entweder als eigenes Fach, fächerübergreifend oder extra-curriculär, zum Teil vom Kindergarten an. Das Problem dabei ist die sich rasch verändernde Natur der digitalen Welt, welche formale Inhalte schnell veralten lässt. Gleichzeitig wird unterschätzt, dass viele der geforderten Kompetenzen nicht eigentlich neu sind, wie zum Beispiel kollaboratives Arbeiten. Neu ist, dass diese Kompetenzen auch auf eine andere Ebene gebracht werden müssen, nämlich der Augmentation, der Interaktion vom Mensch und Maschine.

Drei analysierte Studien zu Digitalen Kompetenzen von Schülern und Studenten zeigen zusammenfassend, dass

  • „digital natives“ nicht automatisch digital kompetent sind
  • der Geschlechterunterschied weiter angegangen werden muss. Knaben zeigen weniger “soft digital skills” während Mädchen geringeres Selbstbewusstsein in MINT Fächern besitzen
  • ein umfassender Ansatz in der Ausbildung von digitalen Kompetenzen verfolgt werden muss
  • „Information literacy“, als eine der allerwichtigsten Kompetenzen. noch massiv verbessert werden muss

Momentan besitzt die Schweiz keine nationale Strategie zur Implementation digitaler Kompetenzen in die Schule. Während der Lehrplan 21 das Thema zwar aufnimmt, geschieht dies als eigenes Fach “Medienkompetenzen”. Digitale Kompetenz wie hier vorgestellt, wird nicht berücksichtigt. Es ist zu befürchten, dass sowohl Fragen zur zukünftigen Gesellschaft und ihrer Interaktion mit Maschinen als auch die dazugehörigen Kompetenzen in der Ausarbeitung von Lehrplänen zu kurz kommen oder gar nicht vorhanden sind. Für den klugen und verantwortungsvollen Umgang mit Technologien sind sie aber unabdingbar.

Welche digitalen Kompetenzen brauchen wir?

In einer digitalen Gesellschaft bilden die digitalen Fähigkeiten und die digitale Bürgerschaft das Fundament, während die Persönlichkeitsentwicklung darüber liegt.

Digital literacy: Grundwissen und Verstehen von Technologien und erste Gedanken zur Mensch-Maschine Interaktion.

Beispiele: Grundwissen im Programmieren, Verständnis der verschiedenen Ansätzen von Artifical Intelligence, Grundwissen in Kryptologie und Datensicherheit.

Digital Citizenship: Einbezug des sozioökonomischen Einflusses der Digitalisierung. Vorbereitung auf ein Leben in einer digitalen Gesellschaft. Normen für den verantwortungsvollen Umgang mit Technologien. Bisher wurde der Einfluss von neuen Technologien auf die Gesellschaft von den Älteren über eine gewisse Zeit ausgelotet und eingebracht. Heute lernen Ältere und Jüngere die Technologien gemeinsam kennen und diese entwickeln sich so rasch, dass deren Einfluss kaum beobachtet und gesteuert werden kann.

Beispiele: Digitale vs analoge Gesellschaft. Veränderungen in der Selbstdefinition der Menschheit in der Gesellschaft von Robotern. Der Wert von Informationen und Daten- Kommerzialisierungen.

Persönlichkeitsentwicklung: ergänzende Zusatzkompetenzen

Während in den letzten Jahren der Umgang mit Computern erlernt werden musste, ist dieser heute schon fast natürlich. Gleichzeitig ist er fundamental anders als der Umgang mit Menschen. Der Dialog ist objektiv und flach, ohne Kontext, Emotionen und Tiefgang. Dieser menschlichen Kompetenzen müssen wir uns mehr bewusst werden und sie auf eine höhere Ebene bringen. Die Fähigkeit zu Abstrahieren und Generalisieren, Kreativität und Empathie werden immer wichtiger und wertvoller. Die Bewusstwerdung der eigenen Expertise, der sozialen Fähigkeiten und der Selbstkompetenz muss unterstützt und gefördert werden.

  • Expertise: Kern Kritisches Denken
    • Entscheidungsfähigkeit, Recherchentätigkeit, Entdeckungen
  •  Soziale Kompetenz: Kern Empathie
    • Einfühlungsvermögen, soziale Wahrnehmung, Moralische Ansichten von Robotern
  •  Selbst-Kompetenz: Kern Kreativität und Innovation
    • Experimentieren und Reflektieren, Umgang mit Unsicherheiten, Risiken, Regelbrüchen, Neue Lernstrategien

Vorschläge zur vertikalen Integration ins Schul-Curriculum

Als Schlüsselkompetenz gilt die information literacy. Unten aufgeführt sind nur einige Beispiele.

Primarschule

Es sollen vorallem Schlüsselkompetenzen vermittelt werden, dies aber möglichst auf einer individuellen Ebene, um gleichzeitig die Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen.

Digital Literacy: Inhalte in verschiedensten Formaten finden, interpretieren und selbst kreieren. Verschiedene Betriebssysteme kennen.

Digital Citizenship: Etikette, Rechte, Verantwortlichkeiten. Digitale Medien anwenden um Probleme zu lösen oder neue Möglichkeiten zu schaffen.

Transversale Kompetenzen: Epistemologische Basis setzen: Wissen ist nicht stabil, die richtigen Fragen finden, Informationen beurteilen.

Sekundarstufe 1:

Digital literacy: Sich mit Material beschäftigen, es zu kommunizieren und auf verschiedenen Kanälen zu verbreiten.

Digital Citizenship: Kommunikation, Sicherheit

Transversale Kompetenzen: einfaches Programmieren, Probleme lösen, kritisches und innovatives Denken

Sekundarstufe 2:

Digital literacy: Autonomes Lernen, eigene Erweiterung der Fähigkeiten, Informatikunterricht

Digital Citizenship: Gesetze, Handel, Gesundheitswesen

Transversale Kompetenzen: mensch-Maschine-Interaktionen

Vorschläge zur horizontalen Integration in der Berufsausbildung

Das berufliche Umfeld ist von den Einflüssen der digitalen Transformation sehr stark betroffen. In einer Organisation beinhaltet digitale Kompetenz des Individuums einerseits dessen direkten Umgang mit digitalen Werkzeugen, anderseits aber auch sein Erleben und sein Umgang mit der digitalen Welt, um darin arbeiten zu können. In der Berufsbildung sollen die Auszubildenden auf diese sich ändernden Welten vorbereitet werden. Dazu gehört unter anderem lebenslanges und selbstgerichtetes Lernen, problem-basierte Lernszenarien, interdisziplinäres Arbeiten, kollaborative Projekte, MakerSpaces und das Verbinden von formellem und informellem Lernen in allen Lebensaspekten.

Vorschläge zur horizontalen Integration in der Höheren Ausbildung

Die momentane Diskussion zur Vermittlung digitaler Kompetenzen im Hochschulbereich dreht sich vorallem um berufliche und arbeitsbezogene Fähigkeiten. Diese sehr technische und minimalistische Ansicht von digitalen Kompetenzen als “hard skills” vernachlässigt den Aspekt, wie in einer digitalisierten Welt eine Arbeitsumgebung geschaffen werden kann, die für den Menschen vorteilhaft ist. Personalentwicklung sollte als wichtiges Ziel gelten mit Themen wie Problemlösung, verantwortungsvollem Agieren und Persönlichkeitsentwicklung für die zukünftigen Führungspersonen. Die in der Enthumanisierung der Arbeit verlorengegangenen Qualitäten wie Empathie und Kreativität müssen wieder gefördert werden, denn sie sind zentral um die richtigen Fragen zu stellen, zukünftige Szenarien zu entwerfen oder verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Die Herausforderung zukünftiger Führungspersonen ist, gleichzeitig die eigenen Entwicklung voranzutreiben und dafür zu sorgen, dass die gesamte Organisation und ihre Mitarbeiter lernen und sich weiterentwickeln können. Denn Lernen innerhalb einer Organisation wird die Top Priorität.

Beispiele: Problem-basierte Szenarien, digitale entrepreneurship Projekte. Digitale Medien anwenden um Probleme zu lösen oder neue Möglichkeiten zu schaffen. Interdisziplinäre Projektarbeiten im Kontext der Digitalisierung, Entwicklung von Meta-Kompetenzen zur Reflexion über Inhalte und ihren Kontext: information literacy, statistical literacy, critical thinking on results. Kollaborationsmöglichkeiten, MakerSpaces, MOOCs.

Grenzen, Limitationen und Probleme

Um die Verwendung digitaler Medien in den Schulen zu fördern, muss nicht nur ein Kompetenzraster für Schüler vorliegen, sondern es müssen auch die Lehrpersonen ausgebildet und gestärkt werden. Lehrpersonen müssen sich von der Vorstellung lösen, IT nur als Werkzeug zu sehen. Sie sollen sich stattdessen damit beschäftigen, die Fähigkeiten der Schüler so zu fördern, dass diese sich sowohl in der online als auch in der offline Welt entfalten können, auch mit einer Omnipräsenz der digitalen Medien.

Hergebrachte Lehrmethoden werden als massive Barrieren für die Innovation angesehen. Ob Medien im Unterricht verwendet werden, hängt nicht nur von den technischen Voraussetzungen, sondern auch von den Fähigkeiten und dem Willen der Lehrperson ab. Neue Lernformen wie technologie-unterstütztes Lernen, Problem- oder Projekt-basiertes Lernen, kollaboratives Online-Lernen oder Weblogs können nur sehr beschränkt in die traditionellen Modelle integriert werden. Die Herausforderung für Lehrinstitutionen besteht darin, die richtige Balance zwischen dem Ausprobieren neuer Möglichkeiten und dem Ausschöpfen von existierenden Kompetenzen zu finden.

Schlussendlich stellt auch die Anwendung von Big Data, zB im Zusammenhang mit Learning Analytics, neue Herausforderungen bezüglich Privatsphäre, Ethik und Normen.

Schlussfolgerungen 

  1. Führungspersonen und Entscheidungsträger in der Bildung müssen eine Vision für die erfolgreiche Partnerschaft von Mensch und Maschine entwickeln mit dem Ziel, dank komplementären Kompetenzen Synergien zu erhalten.
  2. Es muss ein nationales Kompetenzraster für die Vermittlung digitaler Kompetenzen auf allen Ausbildungsstufen entwickelt werden.
  3. Es werden neue Wege für die Messung und Bewertung digitaler Kompetenzen gebraucht. Das Bewertungssystem muss fundamental geändert werden, vom standardisierten Tests zum Portfolio-System.
  4. Do-it-yourself Lernen muss auf allen Schulstufen ermöglicht werden. Eine neue innere Haltung aus Kreativität, Innovation und Selbstorganisation (sharing culture) sollte aktiv gefördert werden, um die schulische und persönliche Weiterentwicklung zu unterstützen.
  5. Ein Schlüsselfaktor für den Erfolg sind die Lehrer. Es ist eine grosse Initiative zur Förderung deren Kompetenzen nötig, ein systematischer Ansatz für die berufliche Weiterentwicklung von Lehrern.
  6. Digitaler Kompetenzen auf der Organisations-Ebene erfordern weitere Untersuchungen und Analysen in einem eigenen Forschungsgebiet.

WOL, PKM und die digitalisierte Arbeitswelt- eine Einordnung

Was für ein Jahr! Nein, das sage ich nicht jeden Dezember, dieses Jahr war wirklich ein besonderes. Mit vielen Höhen, aber auch Tiefen. Mit ganz viel Gelerntem. Und mit dem grossen Wunsch, das Gelernte weiterzugeben, anderen die Möglichkeiten zu zeigen. Was zum Teil schon lange in meinem Kopf umschwirrt, habe ich nun endlich auf ein Blatt gebracht und zum Teil auch vertextet. Natürlich ist auch dies „Work in Progress“ und nicht abschliessend. Bemerkungen, Inputs und Kritiken sind wie immer nicht nur herzlich willkommen sondern ausdrücklich erwünscht.

Nun freue ich mich riesig, das Begonnene mit Hilfe meines Netzwerkes im neuen Jahr weiterzuführen, auszubauen, zu professionalisieren und bekannt zu machen. Herzlichen Dank an alle da draussen, die zu diesem Werk bisher beigetragen haben!

Im heutigen beruflichen Umfeld werden „Digitale Kompetenzen“ immer wichtiger und wahrscheinlich bald zu einem entscheidenden Faktor. Dazu gehören einerseits „Anwendungskompetenzen“- also die greifbaren Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Produkten und Instrumenten –andererseits aber auch persönliche Kompetenzen wie Unterhalt einer digitalen Präsenz, Lern- und Reflexionskompetenz, Bereitschaft für offene, kollaborative Arbeitsweisen, und eine allgemeine Offenheit, Neugier und Kreativität.

Mein Projekt, welches ich in diversen Kollaborationen entwickle, zielt darauf, Frauen beide Aspekte näher zu bringen, mit Schwerpunkt auf der persönlichen Kompetenzentwicklung. Wir wollen Frauen Werkzeuge vorstellen, welche sie in der digitalen Welt brauchen können und ihnen Methoden aufzuzeigen, wie sie diese Werkzeuge dann für die persönliche Weiterentwicklung und damit einen Auf-, Um- oder Wiedereinstieg einsetzen können.

Konkret geht es darum, sich eine digitale Identität zu erstellen und durch Sichtbarmachung der eigenen Person und Kompetenzen/Arbeiten eine Online-Reputation aufzubauen. Wir zeigen weiter, wie man sich eine persönliche digitale Lernumgebung schafft, online-Netzwerke bildet und sich mit Gleichgesinnten sinnstiftend und reflexiv austauscht. Diese kollaborative, grenzüberschreitende Lern- und Arbeitsweise führt zu einer intensiven Vernetzung und eröffnet dabei unerwartete Möglichkeiten zur Neuausrichtung und Weiterentwicklung.

Zwei etablierte Methoden, mit denen man unter Anwendung von digitalen Werkzeugen zur persönlichen Kompetenzentwicklung gelangen kann, sind Persönliches Wissensmanagement (PKM) und Working Out Loud (WOL). Beide regen dazu an, sich eine digitale Präsenz zu erarbeiten, sich mit anderen zu vernetzen und sich „gebend“ auszutauschen. Persönliches Wissensmanagement ist dabei eine Methode, welche man für sich selbst etablieren kann, während Working Out Loud ein geführtes Selbstlernprogramm in einer kleinen Gruppe während 12 Wochen ist. Beide Methoden werden von mir und meinen Partnerinnen selbst angewendet und haben uns so überzeugt, dass wir sie an andere Frauen für deren persönliche Entwicklung weitergeben zu wollen.

Keine Angst vor der Digitalisierung- Mütter, sie ist Eure Chance!

Das Schreckgespenst der Digitalisierung geht um! Und ein kürzlich rumgereichter Artikel will uns weissmachen, dass es gerade die Frauen sind, die unter der digitalen Transformation leiden werden. Was für ein Blödsinn! Noch nie waren die Möglichkeiten und Chancen für Familienfrauen so vielfältig und gut wie gerade jetzt. Man muss sie nur erkennen und sich zu Nutze machen.

Im Zuge der Digitalisierung wird von Automatisierung und Verlust von Arbeitsplätzen gesprochen. Von der Wichtigkeit der MINT Fächer (in denen wir Frauen untervertreten sind), von Blockchain, künstlicher Intelligenz und virtueller Realität. Also von Technologie. Dabei geht unter, dass die digitale Transformation noch viele andere Gesichter hat. Dass es zum Beispiel dank digitalen Angeboten noch nie so einfach war, sich weiterzubilden. Dass man sich online eine eigene Präsenz aufbauen kann, die aussagekräftiger ist als jeder CV. Dass die virtuelle Welt ganz neue Möglichkeiten bietet, sich Netzwerke aufzubauen. Oder dass die digitale Transformation neue Berufsbilder mit sich bringt, die man sich selbst erarbeiten kann. Und das alles zeit- und ortsunabhängig, von zuhause aus, abends, während der Spielgruppe des Kleinsten. Also ideal für uns Mütter! Wie das geht? Zum Beispiel so wie bei mir:

Weiterbildung, Weiterbildung, Weiterbildung

Ich wusste eigentlich schon vor der Geburt des ersten Kindes, dass eine Rückkehr in meinen angestammten Beruf nicht möglich sein würde. Umorientierung, Weiterbildung war also angesagt. Genau zu diesem Zeitpunkt startete Coursera seine ersten MOOCs. Massive Open Online Courses, Kurz-Weiterbildungen übers Internet, die gratis sind und an denen viele, ja sehr viele Menschen gleichzeitig teilnehmen. Der erste Kurs war eine Offenbahrung. Da konnte ich lernen, was mich interessierte, wann ich Zeit hatte, und in dem Tempo, das gerade passte. Perfekt für eine Mutter mit Kleinkindern! Das war vor rund 5 Jahren. Bis heute habe ich rund 7 Online Kurse besucht, teils MOOCs zu so unterschiedlichen Themen wie Project Management und Storytelling. Teils Kurse mit offiziellem Abschluss wie ein Online CAS eines Schweizer Bildungsanbieters. Dass ich neben dem eigentlichen Inhalt auch gleich noch mitbekommen habe, wie online Didaktik und virtuelle Zusammenarbeit funktioniert, war dabei ein willkommener Nebeneffekt. Heute ist das online Bildungsangebot riesig-von der Migros Klubschule über die AKAD bis zur Fernfachhochschule gibt es Ausbildungsgänge, und dass nur schon in der Schweiz! Dank Digitalisierung ist es möglich, Weiterbildung schon während der Kinderpause anzugehen. Was für eine Chance!

Fast gleichzeitig begann ich, mit WordPress rumzuspielen. Zuerst ein Blog- inhaltlich eher banal- mit dem ich die Software kennenlernen konnte. Dann die erste Webseite. Dann eine anspruchsvollere Webseite. Und dann eine noch anspruchsvollere Webseite. Einfach für mich, weil ich neugierig war, was sich da alles rausholen liess, und weil es Spass machte. Es gab Leute, die wussten davon. Und schauten sich an, was ich da so machte. Und kamen irgendwann auf mich zu- ob ich dies auch für sie machen würde? Gegen Bezahlung selbstverständlich? Und so wurde die Erstellung von Webseiten zum ersten geldbringenden Zweig in meiner langsam wachsenden Selbstständigkeit. Eine neue Tätigkeit, nur weil ich neugierig war und mir die digitale Welt die Möglichkeit bot, mir Wissen anzueignen, das andere nicht hatten!

Von der Online Präsenz bis zur Selbstvermarktung

Ich begann zudem, meine Online Präsenz weiter auszubauen. LinkedIn, Xing, ein Twitter Account. Mit dem ich zu Beginn nicht so viel anzufangen wusste. Bis da diese Konferenz kam, an der ich gerne teilgenommen hätte. Aber eben, ich habe ja 3 Kinder… Da lernte ich, dass an gewissen Veranstaltungen über den Inhalt getwittert wird. Ich schaute mir das an und merkte- da liegt noch viel mehr drin, in dieser virtuellen Welt! Als ich dann noch über Persönliches Wissensmanagement stolperte, war mir klar- was ich bis jetzt als Lernen und Online Präsenz ansah, war nichts, wirklich nichts!

Persönliches Wissensmanagement: Suche- mache Sinn daraus- Teile. Suche Quellen zu den Themen, die Dich interessieren. Nicht Bücher, sondern Personen! Die junge Dame, die so kreative Tortenrezepte bloggt. Der Herr, der auf Pinterest botanische Zeichnungen sammelt. Die Frau, die Videos über sketchnoting auf YouTube veröffentlicht. Kaum ein Thema, mit dem sich nicht andere beschäftigen und ihre Arbeiten im Internet teilen. Ich fing an, mir solche Quellen zusammenzusuchen und lernte eine ganz neue Art des Lernens und Weiterbildens kennen. Persönlich, erfahrungsbasiert, auf mein Themengebiet spezialisiert.

Doch was machen, mit all dem Gelernten? Sinn daraus machen und teilen. Ich begann, wieder einen Blog zu schreiben, diesmal gehaltvoll. Manchmal empfahl ich nur einen anderen Artikel, manchmal schrieb ich selbst, was mir so auf dem Herzen lag zum Thema, häufig inspiriert durch etwas, dass ich gelesen hatte. Ich machte Sinn aus dem Gelernten, in dem ich es aus meiner Perspektive weitererzählte. Und ich teilte es mit meinem wachsenden Netzwerk, welches mir dazu wiederum Feedback gab oder mir weitere Quellen zukommen liess.

Nach und nach begann so, meine Online Präsenz zu wachsen. Nicht nur pure Fakten, wie in einem Profil auf LinkedIn, sondern ich zeigte, von was ich etwas verstand und was mich interessierte. Kompetenzen, die ein CV nicht unbedingt widerspiegelt, die ich aber dank Link zu meinem Blog in diesen aufnehmen konnte. Ohne dies bewusst angegangen zu sein, hatte ich einen neuen Weg zur Selbstvermarktung eingeschlagen.

Virtueller Netzwerkaufbau- teilen und lernen

Dies funktionierte aber nur, weil ich das zugehörige virtuelle Netzwerk hatte. Leute, die lasen, was ich schrieb, es kommentierten und “liked”en und so sowohl meine Arbeit als auch meine Reichweite verbesserten. Die mich schlussendlich bekannt machten und mich ein Experte auf meinem Gebiet werden liessen. Ich entdeckte die Möglichkeiten der sozialen Netze.

Facebook war der Anfang, da war ich ja bereits zuhause. Doch nicht so viele meiner Freunde dort teilten meine Interessen. Auf LinkedIn kamen da ein paar mehr zusammen. Doch so richtig fand ich meine “peers” dann auf Twitter. Dank mehrerer glücklicher Zufälle lernte ich, wie man sich auf Twitter ein Lernnetzwerk aufbaut. Wie man die Personen findet, die gleiche Interessen haben, wie man mit ihnen interagiert, wie man wertvolle Beziehungen aufbaut. Nach knapp einem Jahr hatte ich bereits 200 Leute, die mir folgten, sich für meine Arbeit interessierten, sie zitierten. Ich hatte erste Blog Posts mit rund 200 Besuchen. Und es kamen die ersten Telefonanrufe. Ob ich an diesem Seminar einen Workshop moderieren könnte. Ob ich hier einen Artikel verfassen möchte. Ob ich an einer Zusammenarbeit interessiert wäre. Mein Netzwerk hatte mich in den entsprechenden Kreisen bekannt gemacht und verschaffte mir erste bezahlte Aufträge! Und gleichzeitig viele neue Ideen.

Neue Berufsbilder- was immer Du sein willst.

Ich verfasste einen gratis Online-Mini-Kurs, wie man sich mit Twitter ein Netzwerk aufbaut. Gerade jetzt konzipiere ich einen Kurs über WordPress und was man damit so alles anstellen kann. Und der nächste Kurs zu Persönlichem Wissensmanagement steht auch schon auf der Liste. Ich bin Online Dozentin geworden, fast ohne dazugehörige Ausbildung, dafür mit ganz viel praktischer Erfahrung. Ich wurde Working Out Loud Ambassadorin, Moderatorin und Workshop-Leiterin. Working Out Loud, eine neue und aktuelle Methode, wie man sich in der virtuellen Welt ein Netzwerk aufbaut, welches einem hilft, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Auch dies dank meinem Interesse und meiner Erfahrung, ohne einen formalen Abschluss, ohne spezifisches Training. Und nächstens plane ich, Coach und Mentorin für Frauen zu werden, die sich in die digitale Welt vorwagen möchten. Um sich dort einen Platz zu schaffen, auf dem sie ihre Interessen verfolgen, sich als Expertin positionieren, und sich damit ihren eigenen Beruf erschaffen können. Und danach kommt die nächste Idee, inspiriert durch die Möglichkeiten der virtuellen Welt.

Und da soll mal noch jemand sagen, die Digitalisierung sei schlecht für die Frau. Im Gegenteil! Nutzt die Chancen, die sich dank den neuen virtuellen Möglichkeiten bieten. Bringt Euch ein, macht Euch bekannt, verkauft Euch und Euer Können online. Sei es Euer Wissen (welches viel grosser ist, als Ihr meint!) oder Eure Produkte oder Eure Dienstleistungen. Ihr braucht nu rein wenig Zeit, Geduld und Neugier und Offenheit. Also nicht wirklich viel- oder?

WOL die Letzte. Ein Resümee.

So, nun ist es also vorbei. Wir wussten ja, das es kommt. Schon als in Woche 8 die Aufgabe kam, man solle sich mit einem Freund ausserhalb des WOL Circles über die eigenen Fortschritte austauschen, meinte eines unserer Circle Mitglieder erschrocken: Wir sollen uns auf das Danach vorbereiten! Und nun sind wir also definitiv in Woche 12 angelangt. Rund 5 Monate hatten wir uns Zeit gelassen, und das war auch gut so. Ein Resume zu machen, ist gar nicht so einfach. Denn WOL wirkt auf vielen Ebenen, und manche werden einem erst nach einer ganzen Weile bewusst.

Unser WOL Circle beim persönlichen Treffen in Zürich. Damit wir auch einmal unsere unteren Körperhälften sehen….

Vordergründig besteht WOL aus einem Ziel, einer Liste von dafür interessanten Personen, und einer Methodik, wie man sich ein nachhaltiges Netzwerk aufbaut, das einem bei der Erreichung dieses Ziels unterstützen kann. Und habe ich nun mein Ziel erreicht? Nein, ich habe was viel besseres erreicht! Ich habe ein neues, viel klareres und mutigeres Ziel- oder vielleicht sogar eine Vision. WOL hat auf vielfältige Weise dazu beigetragen. Da sind zuerst diverse Übungen im Circle, in denen man das Ziel “externalisieren” muss. Durch das Fassen in Worten und den inputs der anderen Circle Mitglieder wird vieles klar, dass bisher verschwommen oder unbewusst war. Durch das Zuhören und dem Begleiten des Prozesses bei den anderen Mitgliedern wird man nicht nur inspiriert, sondern auch bestätigt und selbstbewusster. Und die Aufforderung zu Visionen lässt einem reflektieren, ehrlich zu sich selbst sein, und mutig werden. Dazu kommen die Inputs aus dem sich aufzubauenden Netzwerk. Ich habe sie nicht gezählt, all die Aha- Erlebnisse, welche mir mein Netzwerk bescherte. Plötzlich fand ich Personen, die auf dem gleichen Weg waren wie ich, aber mit anderen Ansätzen, Ansichtsweisen und Erfahrungsschätzen. Ich traf auf Leute, die den Weg schon gegangen waren ,“mein” Ziel erreicht hatten oder noch besser mir zeigten, wohin es auch noch gehen könnte. Ich lernte von ihnen, ich wurde von ihnen inspiriert, und ich wurde von ihnen bestärkt, meinen Weg zu gehen. So veränderte sich mit jedem Schritt mein Ziel ein wenig mehr, wurde klarer, mutiger, visionärer. Gleichzeitig lernte ich mich selbst immer besser kennen, wurde mir mehr bewusst, was ich wirklich, ganz ehrlich möchte und was ich kann oder eben nicht kann. Aus dem Ziel wurde tatsächlich ein kleiner Selbstfindungstrip…..

Doch das ist noch lange nicht alles. WOL hat noch eine andere Magie. WOL macht einem sichtbar, gibt einem den Mut und die Sicherheit, sich zu äussern und sich auszutauschen. Dies beginnt zuerst im vertrauten Circle (wohlgemerkt eine Gruppe von Personen, die bis vor kurzem Fremde waren!), wird dann aber rasch nach aussen getragen durch die Beiträge. Diese Beiträge werden als wichtigstes Mittel dargestellt, mit Personen gebend und auf grosszügige Weise in Kontakt zu treten. Immer wieder wird darüber reflektiert, was man geben könnte und wie man dies tun sollte. Und natürlich wird man aufgefordert, solche Beiträge zu tätigen und an Leute heranzutreten. Dass diese Herangehensweise richtig und wichtig ist, merkt man schnell. Vielleicht erst später realisiert man aber, wie sehr dies auch dazu verhilft, generell Hemmungen abzubauen, über sich selbst und seine Arbeit zu sprechen, und selbstbewusst seine Ideen zu äussern. Dies wird verstärkt durch die wiederholte Aufforderung, seine Online Präsenz zu überdenken und auch da mutig und selbstbewusst zu sein. Nie hätte ich vorher “Work in Progress” so öffentlich präsentiert und kommuniziert! Wobei da wohl Haralds Schirmers #Mutanfall auch noch kräftig reinmischte (danke dafür!)….

Etwas ganz anderes hat mich während meines WOL Circles ebenfalls nachhaltig geprägt- die Art und Weise, wie John Stepper seine Guides verfasst hat. Vom persönlich-respektvoll-ermutigenden Tonfall über die Offenheit und den Rückhalt, den er durch zahlreiche direkte Feedbackmöglichkeiten anbietet, bis hin zur konsequent durchgezogenen Praxisbezogenheit (mach einfach mal!). Ich habe schon sehr viele Online Lernangebote genutzt, aber noch nie hatte ich das Gefühl, dass der Verfasser direkt neben mir am Tisch sitzt, mir Kaffee und Kuchen anbietet und mit mir auf Augenhöhe eine Lektion bespricht. Vielleicht komme ich einmal hinter das Geheimnis, wie man so virtuell lehrt. Vielleicht hat John Stepper aber auch einfach so enorm viel Empathie, dass es sogar via nüchternes Unterwasserkabel über den Atlantik schwappt….

Ja dann war alles perfekt und hat nach Vorgabe geklappt? Nein, hat es nicht. Da war zum Beispiel das Ding mit der Beziehungsliste. Von den 10 Personen auf meiner Liste habe ich kaum jemanden kontaktiert und mit keiner Person heute Kontakt. Macht aber gar nichts. Für mich war die Liste einfach ein erster Anhaltspunkt auf meiner Reise, bevor ich getrieben wurde und sich das Netzwerk durch serendipity, Neugier und ein wenig Beharrlichkeit fast wie von selbst aufzubauen begann. Noch weniger hat eigentlich alles geklappt, das mit Systematik zusammenhängt. Zwar habe ich Karteikarten für meine Beziehungen geschrieben- das war es dann aber auch schon. Mir fix Zeit für mich selbst in den Kalender einzutragen, habe ich schon gar nicht erst ernsthaft versucht. Und die Visualisierung meines eigenen Fortschrittes war mir ganz und gar unsympathisch. Das mag mit meiner Persönlichkeit zusammenhängen und bei anderen WOL Teilnehmern ganz anders aussehen. Was die letzte grosse Stärke von WOL ist: WOL schreibt Dir nicht vor, was Du tun sollst. WOL präsentiert Dir einen Strauss voller Möglichkeiten, aus denen Du diejenigen rauspicken kannst, die Dir, Deiner Arbeitsweise, Deinem Charakter entsprechen. Und genau deswegen kann WOL- im Gegensatz zu vielen anderen Methoden- auch wirklich zu einer Gewohnheit und Teil Deines eigenen, ganz persönlichen Lebens werden.

Und jetzt? Nach dem WOL Circle ist vor dem WOL Circle. Ein Ziel habe ich schon, diesmal viel mutiger und weitsichtiger. Nun fehlt noch die Zeit. Und die Mitstreiter. Man darf sich gerne melden….

Mehr zum Lesen:
Eine Zusammenfassung der Aufgaben in den 12 Wochen WOL Circle von Ilona Lila: https://ilonalibal.com/was-passiert-in-12-wochen-working-out-loud
Meine Lernreise Teil 3 #workingoutloud von Carsten Wittmer: https://carstenwittmer.com/2017/08/11/meine-lernreise-in-virtuellen-netzwerken-dritte-station-workingoutloud/

Mein Fazit zum WOL-Circle:
WOL hilft mir dabei, mein persönliches Veränderungspotenzial zu erkennen.
WOL hilft mir, mich persönlich und nachhaltig weiter zu entwickeln.
WOL bestärkt und befähigt mich zum Aufbau von Wissensnetzwerken.
Meine WOL Circle Peers sind sehr wertvoll für mich. Die Zusammenarbeit beschleunigt meinen Veränderungsprozess.

Starting a new exciting project- the Open Science MOOC

It’s quiet a while since I posted last- despite or because there was a lot going on in my life recently. One of those things I want to and will share with you in the next months. It’s an initiative, completely volunteer-led at the moment, to do a Massive Open Online Course about the Principles and Practices of Open Science. It’s pursued by a group of ehnthusiastics who want to advocate and teach others about what Open Sciences is about and how it can be achieved. I stumbled upon it and now I am more than happy to be part of it. But read yourself how it started:

The Open Science MOOC Part 1 (of many)

For me, it all started with a tweet. This is actually not really surprising, me being a Twitter aficionado ever since I discovered the art of Social Learning and Working Out Loud. Both, #soclearn and #wol, stand for a mindset of networking, sharing, contributing, and collaborating in our digital world and therefore both have tight connections to what this project is about. While it is set up to later serve researchers all over the world to learn about the many aspects of Open Science, I will document its development from my very personal perspective and share this on the blog. I will “Work Out Loud” so others can comment, contribute, and learn.

So there was this tweet showing up in my timeline:

Open Science MOOC‏ @OpenSci_MOOC  Jun 27

The Open Science MOOC is entirely volunteer-led at the moment – if you’d like to get involved, just tweet it!

Open Science? I used to be an enthusiastic researcher in life science. MOOC? I already attended many MOOCs, being convinced by the format, and just had this great experience of a cMOOC– people networking online around shared interests. Both topics combined?? And if it’s only a tiny little bit I can contribute, I definitively will!! So I put my name on the list of volunteers and was very happy that I had this serendipitous finding thanks to my Twitter network.

Two months later, I lay in my hospital bed, rather bored as it happens on those days between interventions when you just have to wait. A message popped up. I read it. And I read it again. And I started to wonder if I was a bit drugged. No, it was real- an invitation to be part of the Steering Committee of the Open Science MOOC!

Of course I accepted, although I was wondering why on earth I was chosen for this job from this vast list of volunteers. And I immediately felt very well in the company of the other members. Not only because of their mindset of working together, being supportive, and contributing. It was also because of the diversity in the group. There was obviously a lot I could learn here!

It took 24 hours and all 13 invitees of the Steering Committee accepted the invitation. What a commitment! The first step was taken.

Yes I can! Von Gewohnheiten, Visionen und der eigenen Präsenz- WOL Wochen 6, 7 und 8

Dieses Mal war ich vor unserem WOL Treffen ein wenig verunsichert. In den letzten Wochen hatten wir uns aufgrund der Sommerferien nur selten ausgetauscht, und es waren auch nie alle dabei. Hiess dies, das Momentum war bereits vorbei und unsere WOL Initiative versandete?

Und dann waren sie alle da, meine WOL Gspänli. Wir kämpften wie immer mit der Technik und lachten schon in den ersten Minuten. Wir erzählten uns von unseren Wegen, unseren Gedanken, unseren Erfahrungen. Meine Bedenken waren absolut unbegründet, im Gegenteil. Da wir uns auf Augenhöhe begegneten, war ein Vertrauensverhältnis entstanden, an das sich mühelos anknüpfen liess. Die Pause liess das Erarbeitete einsickern und erlaubte auch ein Reflektieren, wie weit es schon zur Gewohnheit geworden war und wo noch gearbeitet werden könnte. Perfekt dazu passte die Beitrags-Checkliste aus Woche 8 – welche Arten von Beiträgen passieren schon ohne Nachzudenken, sind also Teil von uns geworden? Und was ist noch neu, unprobiert?

Das Einflussreichste dieser Wochen war aber bei allen zweifelsohne der Brief. Wir alle hatten ihn geschrieben und dabei die Erfahrung gemacht, wie diese Visionierung dazu führte, dass wir unser Ziel überdachten, erweiterten, konkretisierten oder sogar neu definierten, da wir es nun in einem grösseren Zusammenhang sahen. Schon während des Erzählens fand- zumindest bei mir- eine weitere Transformation statt. Ich realisierte, dass ich zuwenig mutig gewesen war, zuwenig visionär, und vielleicht auch zuwenig ehrlich. Ein weiterer input, den ich diese Woche von einem WOL Mitglied bekam (jaja, sharing is caring, und WOL ermutigt- es funktioniert!), liess mich dann meinen Brief nochmals überarbeiten. Nun wird er ausgedruckt und als reminder, als Mutmacher auf meinem weiteren Weg dienen.

Zu diskutieren gaben die systematischen Beziehungslisten. Ist es wirklich opportun, zwischenmenschliche Kontakte zu systematisieren? Und wenn ja, wie- mit Karteikarten? Outlook Kontakte? Excel-Liste? Eine Art Adressbuch? Ich habe mich an letzteres gesetzt. Die Zeit wird zeigen, wie sich meine Gefühle und Routinen dazu entwickeln.

Um laut zu arbeiten, sich zu vernetzen, gehört natürlich die eigene online Präsenz. Immer wieder kommen die WOL Übungen darauf zurück und führen dazu, den eigenen Auftritt zu erstellen, zu reflektieren, zu überarbeiten und auszuweiten. Wie soll das Gegenüber wissen, was in einem steckt ausser einigen formalen Diplomen und den letzten Jahren Berufstätigkeit? Nie wäre ich von selbst auf den Gedanken gekommen, dass da durchaus auch Ziele Platz haben. Future child book author. Future social collaboration consultant for science? Warum auch nicht? Beitragsart Nummer 8: Teile Deine Arbeit noch während des Stadiums „in Arbeit“. Darum logg ich mich nun mal auf LinkedIn ein und setzte diese noch offene Aufgabe um.

Eine geistige Haltung und eine Werkzeugkiste- WOL Woche 4+5

Es ist ein wenig wie Wasser predigen und Wein trinken…. Da trichtern wir unseren Kindern ein, auf keinen Fall auf Fremde zu reagieren und im Internet sicher nichts von sich preiszugeben. Und was machen wir? Treffen uns wöchentlich virtuell mit 3 Fremden und reden über unsere persönlichen Fortschritte und dabei auch mal über unser Leben. Und haben Spass daran, vertrauen uns und lassen uns durch die unterschiedlichen Lebenserfahrungen und Perspektiven inspirieren. Zum Glück kriegen das die Kinder nicht mit….

Nach nun 5 Wochen ist unser WOL Circle zu einem (fast) festen Punkt im Wochenablauf geworden und eine Bereicherung für alle, speziell an einem Montag Morgen. Wir halten uns nicht mehr ganz so streng an die Vorgaben- vergessen zuweilen sogar, wo wir gerade stecken- begleiten uns aber immer noch auf der WOL-Reise, die bisherigen Erfahrungen einbeziehend und die neuen Inputs beachtend. Und so entwickelt jeder von uns für sich ein mindset und eine toolbox. Ein mindset, das uns hilft, Möglichkeiten oder Personen überhaupt erst zu sehen, sich in andere einzudenken, Gemeinsamkeiten zu finden, und Gelegenheiten zu erkennen. Und eine toolbox, die uns darin unterstützt, diese Gelegenheiten zu nutzen, diese Gemeinsamkeiten auszudrücken, diese Personen zu kontaktieren und ihnen nützlich zu sein.

Du musst den Menschen nützlich sein. Schon wieder so eine Weisheit, die bereits vor 20 Jahren an mich herangetragen wurde. Viele Dinge haben sich im Laufe der Zeit nicht geändert, sind Essenzen des menschlichen Zusammenlebens. Und doch gilt es sie in die digitale Welt zu übertragen und dafür zu erweitern. WOL kann dabei helfen. Sollte also (wider Erwarten) das gesetzte Ziel nicht erreicht werden, so hat WOL immerhin den Teilnehmer angeregt, über sich und seine Interaktionen zu reflektieren. Was in jedem Falle wertvoll ist.

Und zu meinem Ziel, meiner Liste? Dem Ziel bin ich schon viel näher, als ich es je in dieser kurzen Zeit für möglich gehalten hätte. Es hat sich leicht umformuliert, sich zum Teil selbstständig gemacht, ist konkreter, greifbarer geworden. Das hilft mir auch ausserhalb des WOL Circles, mich genauer, besser mitzuteilen. Und die Liste? Besteht heute aus völlig anderen Personen als ursprünglich- alles neue Kontakte, von denen ich vor wenigen Wochen gar nicht wusste, dass sie existieren. Was will man mehr….

Vom bedingungslosen Lernen- WOL 2 und 3

Heute Morgen fand unser 3. WOL Circle statt-ja, wir sind nicht die Schnellsten, aber wir bleiben dran! Und das heutige Thema, Zeitmanagement, passte gerade hervorragend. Denn bei uns allen ist momentan viel los, und wir können gerade viel weniger Zeit mit dem #cl2025 und #WOL verbringen, als wir eigentlich gerne möchten. Deswegen habe ich nach dem WOL Circle beschlossen, Übung 2 (Bezahle Dich zuerst selbst) sofort durchzuführen und mich hier und jetzt mit der Zeit für eine Reflexion und einen Blog Post zu beschenken!

Woche 2 war für die Teilnehmer, die bereits Personal Knowledge Management machen, eine relativ einfache Woche. Neue Netzwerkpunkte finden, diese zu berühren durch ein Like oder einen Kommentar, eventuell sogar bereits mit ihnen konkreter in Kontakt zu treten, ist eine Vorgehensweise, die auch für PKM zentral ist. Der Unterschied zu PKM ist, dies bei WOL gezielt zu tun- mit einem Ziel oder einer bestimmten Fragestellung im Hintergrund. Dies war für mich ja auch bereits eine Erkenntnis der 1. Woche.

Doch nicht alle potentiell interessanten Personen lassen sich über die Sozialen Medien kontaktieren. Es gibt Leute, die sind nicht präsent oder nicht aktiv. Macht nichts. Wie bei unserem Austausch schnell klar wurde, geht auch immer noch das gute alte Email- vorausgesetzt, das Mindset in der Email ist das gleiche wie beim vorgeschlagenen Weg über die sozialen Medien, nämlich Ich biete Dir einen Beitrag an. Schwieriger ist es aber, solche Kontakte aktiv zu halten ohne aufdringlich zu sein. Wir werden berichten, ob uns dies gelingt und vor allem wie.

Aber eben, das Zeitmanagement…. Sich 10% seiner Arbeitszeit für Lernen einzuplanen, haben alle schon probiert, und es hat bei niemandem funktioniert. Spannend ist der Ansatz, bei einem längeren Arbeitsweg ortsgebunden zu lernen- im Zug von Station A bis Station B. Aber auch dies erfordert Disziplin. So kamen wir undisziplinierten Circle Teilnehmer zur Frage, ob es denn überhaupt ein fixes Lernpensum braucht? Ob wir uns selbst nicht zu Herzen nehmen sollten, was letzte Woche im #cl2025 diskutiert wurde- nämlich sich bewusst werden, dass wir 70% während unserer Arbeit lernen. Und dass das, was wir zusätzlich lernen oder wo wir uns zusätzlich engagieren wollen, halt in Wellen funktioniert. Mal haben wir mehr Zeit und Energie, mal weniger. Anstatt uns unter Druck zu setzen und frustriert zu sein, wenn es mal nicht so klappt, Lernen bedingungslos anzusehen und uns „nur“ darauf zu konzentrieren, dass die Wellentäler nicht Überhand nehmen, sondern ein Wellenkamm in Aussicht ist. Denn wenn der Mensch nicht bereit ist zu lernen- aus welchen Gründen auch immer- kann er auch nichts lernen!

So haben wir für uns die wichtigsten Faktoren für unser Lernen zusammengestellt: Realistische Ziele, Bewusstsein was/wieviel wir lernen, ein wenig Geduld, und unser unterstützendes Netzwerk. Denn- so waren sich in dieser intensiven Zeit alle einig- die Regelmässigkeit des WOL Circles und der damit einhergehende, positive Gruppendruck sind für uns alle eine grosse Hilfestellung um „dran zu bleiben“- auf welchem Level nun auch immer.

Und eben, die 70%. Lernen während der Arbeit, während dem WOL. Wie @audelatreille es uns gleich wieder wunderbar aufgezeigt hat, indem sie unser Meeting in eine Sketchnote verwandelt hat- ihrem Ziel „Inhalte durch Visualisierungen zu ergänzen“ wieder einen Schritt näher :-)!

A very brief introduction to Personal Knowledge Management

Ottobock, this weeks company in the #cl2025 Moocathon (see https://colearn.de), asks people to think about their own learning strategies. In this context, PKM came up very quickly. As some people where wondering what PKM means, I decided to post this text of mine, which originally was an assignment in a MOOC, asking for examples of Collaborative Intelligence. 

At first sight, it does not seem that Personal Knowledge Management has a lot to do with Collaborative intelligence or Social learning. But actually, it has a lot to do with it!

Personal Knowledge Management (PKM) is a way of personal learning and advancing in a highly connected world. Harold Jarche, one of the leaders of PKM, sums it up as SEEK, SENSE, SHARE.

Seek for good, valuable sources. This does not mean static sources as e.g. text books, but humans- leaders and experts in the field your interested in. They may publish blogs, newsletters, articles in magazines, or Tweets you can read and learn from. They are the sources of collaborative intelligence you can reach for and use.

Sense what you learned. Just reading something does not have the same level of impact than trying to make sense of it by putting it into your context, your problem, your expertise. Reflect on what you read and draw your own conclusions.

Share your thoughts with others. Publish what you reflected on or what conclusions you draw. This can be done by commenting on other peoples blog posts or articles (and not just “well done”!) or by publishing your own thoughts in posts or articles, referencing your sources or inspirations.

By doing so, you do your part in Social Learning, you give something back to the community you learned from and you contribute to the Collaborative Intelligence.

So how to start?

One point is to find the right sources. Normally you already stumble upon quiet some sources just by searching the Internet. It is valuable to find sources that deliver continuously interesting content. This may require some time and effort.

The other point is to find the right medium. Maybe you like blogs and therefore a RSS feed reader. Or you like Facebook. Or you like (like me) Twitter.

Twitter for me is the most valuable tool for PKM. By following people and reading their re-tweets, you find other valuable people in the field and can expand your network. By reading articles or blog posts they wrote (and tweeted), you learn new stuff. And by reading articles or blog posts of other people they liked and therefore tweeted, you get to content already reviewed. In addition, it is a medium that can be easily used in short time- while waiting for the bus or pick up your kids at school.

Another plus for twitter is the immediate feedback you’re getting, which leads to a unique collaborative learning dynamics with a sense of community (also through the network building aspect of PKM in general) and motivation to contribute by sharing and reviewing.

But you may still need a tool for sense-making. For me, that’s my blog. This blog is primarily for me to „digest“ what I learned, but still I publish publicly and also share my posts on Twitter and other social networks (and get a few views each time ;-)). I combine it with a mind-map to keep track of what I read and how it is connected and influences. Other tools may include wikis, Evernote, or special platforms with forums or project-pages. Some sources: https://legacy.ici-berlin.org/library/research-toolkit/personal-knowledge-management-tools/

Harold Jarche has several workshop he offers where one can learn how to build up an own PKM strategy. Another valuable person to follow is Jane Hart. She is the Queen of social learning at the workpace (and highly interacting with Harold Jarche) and also yearly publishes a huge survey about Tools for Learning. On Twitter you can find them here and here, and me you can find as mcschlatter.

Other sources about PKM:

https://www.linkedin.com/pulse/personal-knowledge-management-how-do-25-resources-10-books-garfield

http://www.kmworld.com/Articles/Editorial/Features/Personal-toolkit-A-framework-for-personal-knowledge-management-tools-9416.aspx

Picture: http://jarche.com/2015/05/social-learning-is-personal/

Die Krux mit der Liste- die erste WOL Woche

Ich schaffe es einfach nicht! Seit rund zwei Wochen bin ich dran. Und hab noch keiner einzigen Person meiner WOL Liste einen Beitrag geschenkt….. Schlecht! Oder etwa doch nicht?

Ich gebe es zu, ich bin unserer WOL Gruppe ein wenig vorausgeeilt (Neugier) und hatte schon vor unserem ersten Treffen meine Liste begonnen. So konnte ich auch gleich 8 Einträge vorweisen, meist Personen, denen ich irgendwann in meinem Leben begegnet bin und von denen ich irgendwie hoffte, dass sie mich meinem Ziel näher bringen können.
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