Der erste einfache Schritt zur digitalen Präsenz- Dein Berufsprofil (2)

Wir beginnen ganz klein, ganz einfach. Mit etwas, das hierzulande jeder hat. Deinen formalen Qualifikationen- Deine Ausbildung, Deine Berufserfahrung. Dies gehört in ein Business-Network wie LinkedIn oder Xing. Welches der beiden Netzwerke Du nutzt, hängt von Deinen Vorlieben ab- und wo mehr Personen zuhause sind, die Du bereits kennst. Bei mir ist dies LinkedIn.

Unter https://de.linkedin.com/ kannst Du ganz einfach einen Account eröffnen. Bedenke beim Entscheid, welche email Adresse Du verwenden willst, dass Dir LinkedIn Nachrichten schickt. Du kannst zwar einstellen, wieviele und welche emails Dir geschickt werden sollen. Aber falls Du wie ich eine „Spam-Adresse“ besitzt, ist es von Vorteil, diese anzugeben.

Nach der Eröffnung Deines Accounts wirst Du durch den Prozess des Ausfüllens geführt. Schon nach wenigen Klicks werden Dir potentielle Kontakte vorgeschlagen. Du kannst, musst diese aber nicht auswählen. Vielleicht möchtest Du zuerst Dein Profil erstellen, bevor Du Dich weiter verknüpfst. Das gleiche gilt für die vorgeschlagenen Themen.

Du kannst dann erste Angaben machen und wirst aufgefordert, ein Foto hochzuladen. Dies solltest Du unbedingt tun! Denn nicht nur ist so Dein Profil persönlich, es könnte auch mehrere Personen mit Deinem Namen geben. Auf der linken Seite erscheint eine erste Vorschau auf Dein Profil. Klicke darauf, um mehr Informationen über Dich einzugeben.

Du kannst eine erste Ausbildung eingeben, Kenntnisse in Form von Stichworten beifügen und wirst aufgefordert, eine Zusammenfassung über Dich zu schreiben. Dies ist der erste Punkt, wo Du die Möglichkeit hast, auch Deine Interessen kundzutun. „Pharmazeutin mit mehreren Jahren Erfahrung in Forschung und Akademie, heute interessiert an neuen Formen des Lernens und der Persönlichkeitsentwicklung im Zuge der Digitalisierung“. Du musst nicht stundenlang darüber nachdenken, was Du genau dort reinschreiben willst. Bist Du eine Weile auf LinkedIn unterwegs, wirst Du bei anderen Profilen sehen, welche Art von Beschreibung Du magst und welche weniger. Dies wird Dich inspirieren, wie Deine eigene Beschreibung klingen soll. Du kannst sie dann jederzeit ändern.

Nun hast Du schon einmal das Fundament gelegt. Durch Klicken des + kannst Du weitere Einträge machen, der Stift bringt Dich in den Editor Modus. Fülle alles ein, dass Du bereits erreicht hast. Du kannst auch Mediendateien beifügen, zum Beispiel ein Arbeit, den Du mal geschrieben hast, oder einen Flyer zu einem Angebot. So kannst Du Deine Kenntnisse noch weiter unterstreichen.

Noch persönlicher machen kannst Du Dein Profil durch das Hinzufügen eines Profilbildes und eines Profil-Slogans. Dies geschieht im obersten Feld mit Deinem Namen. Beides würde ich Dir unbedingt anraten. Denn es sind auch diese Dinge, die Dich zu Dir machen und nicht zu jemandem ohne Gesicht. Oder mit welchem dieser drei Profile würdest Du am ehesten Kontakt aufnehmen?

Das war gar nicht so schwierig bisher, oder? Dann los, die ersten Kontakte suchen. Es geht nicht darum, möglichst schnell auf 500+ Kontakte zu kommen. Ehrlich gesagt, sind mir solche Personen jeweils auch ein wenig suspekt- haben die wirklich eine Gemeinsamkeit mit so vielen Leuten? Ein kleineres, aber gutes Netzwerk ist mehr wert als viele Kontakte, die man kaum kennt. Und ausweiten wird sich Dein Netzwerk über die Zeit sowieso. Also beginn mal mit Personen, die Du wirklich kennst. Suche Deine Arbeitskollegen, Studienfreundinnen, gute Kollegen. Kennst Du sie gut, kannst Du Dich ohne grossen Kommentar vernetzen. Ist der Kontakt länger her, mach es persönlich: Schreib eine kurze Nachricht, woher Ihr Euch kennt und warum Du Dich gerne vernetzen möchtest. „Liebe Sabine, wir arbeiteten vor 3 Jahren gemeinsam am Projekt „neuer Flyer“ für die Firma XY, was grossen Spass machte. Ich würde mich freuen, mich hier mit Dir zu vernetzen“. Hättest Du nicht auch Freude, eine solche Anfrage zu bekommen?

Falls Du nun noch Zeit und Muse hast, weiter nach Kontakten zu suchen, ist ein guter Weg, die Kontakte anderer Leute anzusehen. Wir alle sind ja in Netzwerke eingebunden, und nicht selten überschneiden sich die. Beim alten Schulkameraden findest Du gleich 2 weitere Mitstreiter von damals. Und der frühere Mitarbeiter arbeitet heute mit einer Mitstudentin von Dir zusammen. Die Welt ist ja bekanntlich klein.

Nun hast Du bereits einen wichtigen, ersten Schritt zur digitalen Identität getan! War nicht so schwierig, oder? Doch was bringt dieser erste Schritt? Und wie geht es jetzt weiter?

Zuerst einmal bist Du ab sofort sichtbar. Es wird nicht lange dauern, und Dein LinkedIn Profil erscheint in den Resultaten einer Google Suche nach Deinem Namen. Man kann Dich finden, hat einen ersten Eindruck von Dir, Deinen Kenntnissen und Interessen, und weiss, wie man Dich kontaktieren kann. Schon das kann sehr hilfreich sein. Denn vielleicht sucht Dein früherer Mitarbeiter gerade jemanden wie Dich für sein neues Team?

Gleichzeitig wirst Du aber auch informiert. Jedes Mal, wenn Du Dich nun bei LinkedIn einloggst, erhältst Du auf der ersten Seite Nachrichten zu Deinen Kontakten. Hast Du eher schweigsame Kontakte, werden dies vor allem Status Updates sein- hat einen neuen Kontakt, hat einen neuen Job, hat ein neues Interesse. Gehörst Du zu den Glücklichen mit aktiveren Kontakten, werden Artikel erscheinen- Links zu interessanten Beiträgen oder selbstgeschriebene Texte. Je mehr sich Deine Interessen mit denen Deiner Kontakte überschneiden, desto wertvoller und lernreicher werden diese Informationen für Dich sein.

Und hier werden wir das nächste Mal auch weitermachen. Ich werde Dir zeigen, wie Du diesen Informationsfluss noch besser auf Dich abstimmen und wo Du weitere, noch gezieltere Informationsquellen finden kannst. Denn Deine digitale Präsenz ist mehr als bloss Daten über Dich. Es kann eine persönliche Umgebung werden, die zeigt was Du kannst und was Dich interessiert. Und die Dich beim Lernen und Dich Weiterentwickeln unterstützt. Warte es nur ab!

unsplash-logoTemple Cerulean

4 Voraussetzungen für PLEs in der Lehre

Aus Anlass der Buchveröffentlichung „Weiterbildung an Hochschulen“ war auf dem Blog der PHZH ein älterer Beitrag (Sep 16) von Philippe Wampfler verlinkt.

Er spricht darin persönlichen Lernumgebungen/Personal Learning Environments (PLEs) an: Lernende dokumentieren ihre Lernprozesse im Austausch mit Fachpersonen und anderen Lernenden in selbstgestrickten Umgebungen. Die Rolle der Sozialen Medien ist dabei die des Kitt zwischen verschiedenen geschlossenen Systemen, in denen sich die Teilnehmenden bereits aufhalten. Wenn möglich soll die Wahl der Tools und Formate den Lernenden überlassen werden. Dozierende regen einen Austausch über informelle und berufliche Lernprozesse an und bieten Angebote zur Verknüpfung unter den Lernenden an.

MindMap Darstellung einer PLE. Aus „Demenz oder Doping?“ von Philippe Wampfler

Das klingt zunächst einmal sehr überzeugend. Die Erstellung einer persönliche Lernumgebung ist für selbst-gerichtetes Lernen unabdingbar, welches wiederum ein essentieller Bestandteil des lebenslangen Lernens ist. Aus meiner Sicht eine der wichtigsten Kompetenzen, welche wir Lernenden aller Altersklassen heute näher bringen müssen. Eine persönliche Lernumgebung geht einher mit einer persönlichen Plattform, auf der die Lernprozesse- ich möchte es lieber „Einsichten“ nennen- sichtbar werden. Diese ist gleichzeitig ein digitales Portfolio des Lernenden und ermöglicht ihm eine erste digitale Präsenz. (Warum jeder eine digitale Präsenz haben sollte). Dass diese eine „selbstgestrickt Umgebung“ sein sollte und „die Wahl der Tools und Formate den Lernenden überlassen werden“ sollte, versteht sich für mich fast von selbst. Denn man arbeitet nur gut, wenn man sich mit den Werkzeugen wohl fühlt. Wobei sich Wunsch und Realität nicht immer ganz in Einklang bringen lassen.

Doch jetzt kommt der richtige Knackpunkt. Dozierende regen einen Austausch über informelle und berufliche Lernprozesse an und bieten Angebote zur Verknüpfung unter den Lernenden an. Vernetzung und Austausch. Anregen. Der Dozierende. Oder vielleicht in diesem Zusammenhang: Der Lerncoach. Denn er sollte ja nicht mehr so viel dozieren. Doch wie regt er an? Kann Vernetzung und Austausch „beordert“ werden? Nein, dass das nicht funktioniert, zeigen die vielen fast leeren Enterprise Social Networks, die Firmen in bester Absicht ihren Mitarbeitern zur Verfügung stellen. Noch schwieriger macht die Situation in der Lehre die beschränkte Anzahl potentieller Teilnehmer. Ausgehen davon, dass in einer Community nur 1% der Mitglieder aktiv sind, wären dies bei 100 Lernenden eine Person.

Es gilt also, genau zu betrachten, was in diesem Kontext möglich ist und wie es erreicht werden kann. Lernende dazu zu animieren, sich selbst Quellen zu suchen, ist dank Google und Co keine unlösbare Aufgabe. Auch die Erstellung einer Lernplattform, um diese Inhalte oder eigene Arbeiten zu präsentieren, sollte realisierbar sein. Doch nun kommt der Kitt ins Spiel: Die Sozialen Medien zur Verknüpfung der Lernenden für den Austausch untereinander, aber auch ihrer Vernetzung nach aussen zur Erweiterung der Lernumgebung von reinen Suchresultaten zu inspirierenden Quellen und für das Teilen eigener Arbeiten. Mit dem zusätzlichen Anspruch, dass das Tool vom Lernenden selbst gewählt werden kann.

Schema einer persönlichen Lernumgebung im Sinne des persönlichen Wissensmanagements. Über die sozialen Medien werden Inhalte gefunden, auf der persönlichen Plattform verarbeitet und wiederum über die sozialen Medien geteilt. Dabei entsteht ein digitales Portfolio und eine digitale Präsenz.

Ich behaupte jetzt mal: Das geht so einfach nicht. Aber: Man kann die Lernenden wenigstens dazu hinführen. Voraussetzung 1: Der Lerncoach ist ein Vorbild, hat eine eigene persönliche Lernumgebung und ist auf den Sozialen Medien sehr aktiv. Er vernetzt sich mit seinen Lernenden und bindet sie ein, gibt ihnen Feedback, so dass sie ein erstes Gefühl fürs Social Learning kriegen. Voraussetzung 2: Hinter dem Lerncoach steckt bereits ein (kleines) Netzwerk, welches ebenfalls mit den Lernenden interagiert und somit ihre Lernumgebung erweitert. So können die Lernenden die Möglichkeiten der Vernetzung erleben und motiviert werden, selbst weiterzusuchen. Voraussetzung 3: Der Lerncoach übt mit den Lernenden Empathie und Grosszügigkeit. Sie sollen dafür sensibilisiert werden, dass ein Netzwerk nur dann funktioniert, wenn die Arbeit von anderen anerkannt wird und wenn man eigene Beiträge leistet. Sie sollen lernen, wertvolle Quellen zu würdigen, in dem sie Kommentare hinterlassen, oder eigene Ideen oder Arbeiten vorzustellen und für Kommentare offen zu halten. Beginnend in der Gruppe der Lernenden, aber dann unbedingt anzuwenden auf die erweiterte Lernumgebung. Voraussetzung 4: Der Lerncoach diskutiert mit den Lernenden ihre persönliche Plattform nicht nur unter dem Aspekt des „Lernfortschrittes“, sondern im weiteren Kontext des digitalen Portfolios und der Wichtigkeit einer digitalen Präsenz für ihre weitere Laufbahn und dem Arbeiten in einer digitalisierten Welt. Somit soll die Lernumgebung vom- je nach Alter der Lernenden- belastenden Begriff „Lernen“ abgekoppelt und ein längerfristiger Sinn vermittelt werden.

Um sich auf diese Reise einzulassen, braucht es viel Kompetenz und Offenheit nicht nur vom Lerncoach, sondern auch von den Lernenden. Wieviele der Lernenden dazu bereit sind, beziehungsweise wie lange es brauchen wird, bis diese Art von Lernen nicht mehr als exotisch und anstrengend wahrgenommen wird, wird sich im nächsten Jahrzehnt zeigen. Ich bin gespannt!

Demenz oder Doping? Social Media in der Weiterbildung

 

Warum jeder eine digitale Präsenz haben sollte (1)

Die digitale Präsenz- das Sichtbarmachen der eigenen Person, der eigenen Arbeit und der eigenen Ideen- ist ein Thema, das mich sehr beschäftigt. Ich bin überzeugt, das eine digitale Präsenz von enormer Wichtigkeit ist, speziell in der heutigen Lern- und Arbeitswelt. Deswegen möchte ich anderen Menschen näher bringen, warum ich sie wichtig finde und was sie ihnen für Möglichkeiten eröffnet. Dies ist der erste Teil einer Serie kurzer Blog Beiträge zum Thema.

Warum jeder eine digitale Präsenz haben sollte (1)

Hast Du Dich schon einmal selbst gegooglet? Was hast Du dabei gefunden? Ein veraltetes Linked Profil? Ein Facebook Profil mit Urlaubsfotos und Katzenvideos? Einen Hinweis auf Deine Masterarbeit vor 10 Jahren? Nun stell Dir vor, jemand sucht Dich online. Du hast Dich auf eine neue Arbeitsstelle ausserhalb Deines Kerngebietes beworben. Ein Freund hat Dich jemandem als Experte im Bereich Drohnen empfohlen. Eine frühere Arbeitskollegin weiss, dass Du Dich gut mit interkultureller Kommunikation auskennst. Werden diese Personen die Informationen über Dich finden, die sie suchen? Oder bist Du online eine Black Box?

Ich durfte es anfangs dieses Jahres selbst erleben. Ich sass im Vorstellungsgespräch. Die Stelle: super spannend. Mein Interesse: riesig. Meine formalen Qualifikationen (Abschlüsse, Diplome): keine. Meine bisherige Arbeitserfahrung: das neue Gebiet nur streifend. Trotzdem war ich eingeladen.

Es zeigte sich im Laufe des Gespräches, dass sie alles über mich studiert hatten. Meinen Blog, in dem ich über das Thema schrieb. Meinen Online-Kurs, den ich konzipiert und durchgeführt hatte. Mein LinkedIn Profil, mehr gespickt mit meinen momentanen Interessen als meinen formalen Abschlüssen. Und vielleicht haben sie sogar bemerkt, dass ich auf Twitter bereits ein veritables Netzwerk zum Thema hatte.

Ich bekam die Stelle. Man stelle sich vor, ich hätte ihnen bloss einen formalen Lebenslauf vorlegen können! Ich wäre kaum über die erste Runde gekommen.

Wir machen unsere Abschlüsse, vielleicht noch ein paar Weiterbildungen, doch kaum zeigen wir, was wir im Laufe der Zeit alles noch gelernt haben. Oder für was wir wirklich brennen- sei es Hobby oder Beruf. Wir teilen unser Wissen nicht. Weil wir es uns nicht gewohnt sind. Weil wir Angst haben öffentlich zu sein. Weil wir nicht an unser Wissen und unsere Einzigartigkeit glauben. Weil wir nicht wissen, wie wir es anzugehen haben.

Doch damit verschliessen wir uns Möglichkeiten! Wer nicht sichtbar ist, kann auch nicht gefunden werden. Kann nicht für eine Kollaboration in einem neuen Projekt angefragt werden. Für seinen Expertenrat. Für eine Vernetzung und für Austausch. Oder würdest Du Dich an ein verlassenes Profil in den Sozialen Medien wenden?

Jaja, ich weiss. Du hast keine Zeit dafür, weisst nicht wie, und vorallem denkst Du, Du hast gar nix zu sagen. Stimmt alles nicht. Ich zeige Dir im Laufe dieser Blog Serie, wie Du ganz einfach starten kannst. Dass Du viel mehr weisst und kannst, als Du denkst. Und wie Du Deine Sichtbarkeit mit Deinem persönlichen lebenslangem Lernen verknüpfst, so dass alles aus einer Hand geht. Und wie für Vieles gilt: Ein kleiner Schritt ist bereits mehr als kein Schritt. Also bleib dran! Bis bald.

Was den Menschen von der Maschine unterscheidet- Kompetenzbildung für die digitalisierte Welt

Ich schaudere ja häufig, wenn ich lese oder höre, was die Leute unter “digitalen Kompetenzen” verstehen, gerade im schulischen Bereich. Da mockiert sich eine Mutter, dass am Elternabend eine Folie mit dem Hellraumprojektor gezeigt und kein Beamer benutzt wurde. Oder dass nur ein Computer im Schulzimmer des Erstklässlers stehe. Oder dass es keinen “Medien-Beauftragten” an der Schule gäbe. Dabei umfasst der Begriff Digitale Kompetenzen viel mehr als die blosse Anwendung von digitalen Medien oder Geräten!

Martin Linder hat mich glücklicherweise auf eine neue Publikation von Sabine Seufert hingewiesen. Im Zusammenhang mit der explorativen Studie “Notions of Disruption” des Schweizerischen Wissenschafts- und Innovationsrates SWIR hat sie ein Kapitel zu Digitalen Kompetenzen verfasst. Die sehr umfassende Betrachtung bringt den Begriff auf eine höhere Ebene. Sabine Seufert postuliert, dass der Kern der digitalen Transformation die zunehmende Interaktion von Mensch und Maschine ist und Digitale Kompetenzen (auch) in diesem Zusammenhang definiert und gelehrt werden müssen. Dabei geht es als Grundlage um Digital Literacy, also der Fähigkeit, digitale Technologien anzuwenden, und um Digital Citizenship, den sozioökonomischen Aspekten wie der Definition von Normen und Werten einer Gesellschaft für den verantwortungsvollen Umgang mit den Technologien. Darüber steht die Persönlichkeitsentwicklung in der digitalisierten Welt: das Sich-Bewusstwerden und die weitere Entwicklung derjenigen menschlichen Fähigkeiten, die sie von Maschinen unterscheiden. Dazu gehören unter anderem kritisches Denken, Innovation, Kreativität und Empathie. Diese Eigenschaften können nicht nur synergistisch die Mensch-Maschine-Interaktion weitertreiben. Sie sind auch Voraussetzung dafür, in einer digitalisierten Welt eine Arbeitsumgebung zu schaffen, die für den Menschen vorteilhaft ist, und damit für zukünftige Führungspersonen essentiell.

Sabine Seufert reflektiert, wie solche weitergefassten Digitalen Kompetenzen im gesamten Bildungsbereich umgesetzt werden könnten. Sie schlägt für jede Bildungsstufe Massnahmen vor und zieht 6 Schlussfolgerungen, welche Voraussetzungen/Massnahmen für eine erfolgreiche Strategieumsetzung vorhanden sein müssten. Damit denkt sie sehr viel weiter und längerfristiger, als fast alles, was ich bis jetzt zum Thema gehört habe.

Eine Umsetzung einer “digitalen Strategie” kann nur in kleinen Schritten erfolgen, in denen die Menschen jeweils auf der Stufe abgeholt werden, auf der sie sich heute befinden. In dem Zusammenhang mag der Artikel von Sabine Seufert schon fast visionär erscheinen. Doch das grössere Bild, die weitreichenderen Anforderungen und die längerfristigen Ziele im Auge zu behalten und in jede Strategie einzubeziehen wird die Erkenntnis ersparen, dass man eben doch zuwenig für den digitalen Kompetenzerwerb gemacht und damit den Anschluss an die Entwicklungen verpasst hat.


Notions of Disruptions- Digital Competences von Sabine Seufert

Während sicher ist, dass alle Industriezweige von der Digitalisierung betroffen sein werden, ist gleichzeitig unklar, was die Zukunft bringt und was dies für den Menschen bedeuteten wird. Gefordert sind digitale Kompetenzen- doch was versteht man genau darunter, und wie können sie erlernt werden? Noch weiter eröffnen die anstehenden Veränderungen fundamentale Fragen: In was für einer Gesellschaft möchten wir leben? Was leistet die Wirtschaft dazu? Und welche Vorstellung von der Menschheit haben wir in Bezug auf die Mensch-Maschine Interaktion? Denn die Digitalisierung wird signifikante Veränderungen in den Funktionen und dem Verhalten auf allen, der persönlichen, der organisatorischen und der sozialen Ebene mit sich bringen.

Ein Schlüsselfaktor für diese Veränderungen ist die Augmentation. Während ein grosser Teil des Machine Learnings- also der Entwicklung von lernenden Algorithmen, welche schlussendlich Voraussagungen treffen können- sich auf deren Automation beziehen (zB selbstfahrende Autos), ist das interaktive Machine Learning der Teil, in dem Maschinen mit Hilfe von menschlichen Fähigkeiten lernen und beide gemeinsam Probleme lösen. Es ist eine Kombination von Datenanalyse durch die Maschine und menschlicher Intuition und Erfahrungswissen. Beispiele dafür sind persönliche Assistenten (kognitive Augmentation), hirn-gesteuerte Exoskelette (physische Augmentation), soziale Roboter (emotionale Augmentation) und Lernkompetenzen unter Verwendung digitaler Medien (kollaborative Augmentation). Diese Augmentationen sind im Gegensatz zur Automation die wahren Herausforderungen, denen wir uns im Zuge der Digitalisierung stellen müssen. Denn nur in der Interaktion mit dem Mensch kann die Maschine umfassende und relevante Ergebnisse produzieren. Und dies bringt eine neue Frage auf: Die Rolle des Menschen im Training von Maschinen. Dabei muss die ganze Gesellschaft mit ihren Werten und Ansichten in die Betrachtungen einbezogen werden (society in the loop). Und es gilt sich zu überlegen, wie Mensch und Maschine miteinander interagieren sollen und wie sie voneinander lernen können.

Dazu nötig sind digitale Kompetenzen. Die EU definiert diese folgendermassen: Digitale Kompetenzen beinhalten den sicheren und kritischen Umgang mit Informationstechnologien in der Arbeit, der Freizeit und der Kommunikation. Die EU teilt die Kompetenzen in 5 Gebiete ein: Information, Kommunikation, Erzeugung von Inhalt, Sicherheit und Problemlösung. In jeder Kompetenz werden drei Ebenen unterschieden: Ein Basiswissen zum praktischen Umgang mit Informationstechnologien, ein fortgeschrittenes Wissen bezüglich deren Anwendung in einem spezifischen Kontext, und eine Persönlichkeitsentwicklung bezüglich Innovation, Kreativität und der Fähigkeit, Wandel hervorzurufen.

Passend dazu definiert das World Economic Forum digitale Kompetenzen als “ein Set von emotionalen, sozialen und kognitiven Fähigkeiten, die das Individuum dazu befähigen, die Veränderungen anzugehen und sich an die Ansprüche der digitalen Welt anzupassen”.

Digitale Kompetenzen in der Bildung

Die digitale Revolution übt klar noch mehr Druck auf das Schulsystem aus, als es bereits ausgesetzt ist. Um aber die neuen Herausforderungen zu bewältigen und nicht abgehängt zu werden, ist eine umfassende Integration des Erlernens digitaler Kompetenzen ins Schul-Curriculum unablässig. Momentan werden sie vorallem als „übertragbare Fähigkeiten“ ins Schulsystem eingegliedert, entweder als eigenes Fach, fächerübergreifend oder extra-curriculär, zum Teil vom Kindergarten an. Das Problem dabei ist die sich rasch verändernde Natur der digitalen Welt, welche formale Inhalte schnell veralten lässt. Gleichzeitig wird unterschätzt, dass viele der geforderten Kompetenzen nicht eigentlich neu sind, wie zum Beispiel kollaboratives Arbeiten. Neu ist, dass diese Kompetenzen auch auf eine andere Ebene gebracht werden müssen, nämlich der Augmentation, der Interaktion vom Mensch und Maschine.

Drei analysierte Studien zu Digitalen Kompetenzen von Schülern und Studenten zeigen zusammenfassend, dass

  • „digital natives“ nicht automatisch digital kompetent sind
  • der Geschlechterunterschied weiter angegangen werden muss. Knaben zeigen weniger “soft digital skills” während Mädchen geringeres Selbstbewusstsein in MINT Fächern besitzen
  • ein umfassender Ansatz in der Ausbildung von digitalen Kompetenzen verfolgt werden muss
  • „Information literacy“, als eine der allerwichtigsten Kompetenzen. noch massiv verbessert werden muss

Momentan besitzt die Schweiz keine nationale Strategie zur Implementation digitaler Kompetenzen in die Schule. Während der Lehrplan 21 das Thema zwar aufnimmt, geschieht dies als eigenes Fach “Medienkompetenzen”. Digitale Kompetenz wie hier vorgestellt, wird nicht berücksichtigt. Es ist zu befürchten, dass sowohl Fragen zur zukünftigen Gesellschaft und ihrer Interaktion mit Maschinen als auch die dazugehörigen Kompetenzen in der Ausarbeitung von Lehrplänen zu kurz kommen oder gar nicht vorhanden sind. Für den klugen und verantwortungsvollen Umgang mit Technologien sind sie aber unabdingbar.

Welche digitalen Kompetenzen brauchen wir?

In einer digitalen Gesellschaft bilden die digitalen Fähigkeiten und die digitale Bürgerschaft das Fundament, während die Persönlichkeitsentwicklung darüber liegt.

Digital literacy: Grundwissen und Verstehen von Technologien und erste Gedanken zur Mensch-Maschine Interaktion.

Beispiele: Grundwissen im Programmieren, Verständnis der verschiedenen Ansätzen von Artifical Intelligence, Grundwissen in Kryptologie und Datensicherheit.

Digital Citizenship: Einbezug des sozioökonomischen Einflusses der Digitalisierung. Vorbereitung auf ein Leben in einer digitalen Gesellschaft. Normen für den verantwortungsvollen Umgang mit Technologien. Bisher wurde der Einfluss von neuen Technologien auf die Gesellschaft von den Älteren über eine gewisse Zeit ausgelotet und eingebracht. Heute lernen Ältere und Jüngere die Technologien gemeinsam kennen und diese entwickeln sich so rasch, dass deren Einfluss kaum beobachtet und gesteuert werden kann.

Beispiele: Digitale vs analoge Gesellschaft. Veränderungen in der Selbstdefinition der Menschheit in der Gesellschaft von Robotern. Der Wert von Informationen und Daten- Kommerzialisierungen.

Persönlichkeitsentwicklung: ergänzende Zusatzkompetenzen

Während in den letzten Jahren der Umgang mit Computern erlernt werden musste, ist dieser heute schon fast natürlich. Gleichzeitig ist er fundamental anders als der Umgang mit Menschen. Der Dialog ist objektiv und flach, ohne Kontext, Emotionen und Tiefgang. Dieser menschlichen Kompetenzen müssen wir uns mehr bewusst werden und sie auf eine höhere Ebene bringen. Die Fähigkeit zu Abstrahieren und Generalisieren, Kreativität und Empathie werden immer wichtiger und wertvoller. Die Bewusstwerdung der eigenen Expertise, der sozialen Fähigkeiten und der Selbstkompetenz muss unterstützt und gefördert werden.

  • Expertise: Kern Kritisches Denken
    • Entscheidungsfähigkeit, Recherchentätigkeit, Entdeckungen
  •  Soziale Kompetenz: Kern Empathie
    • Einfühlungsvermögen, soziale Wahrnehmung, Moralische Ansichten von Robotern
  •  Selbst-Kompetenz: Kern Kreativität und Innovation
    • Experimentieren und Reflektieren, Umgang mit Unsicherheiten, Risiken, Regelbrüchen, Neue Lernstrategien

Vorschläge zur vertikalen Integration ins Schul-Curriculum

Als Schlüsselkompetenz gilt die information literacy. Unten aufgeführt sind nur einige Beispiele.

Primarschule

Es sollen vorallem Schlüsselkompetenzen vermittelt werden, dies aber möglichst auf einer individuellen Ebene, um gleichzeitig die Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen.

Digital Literacy: Inhalte in verschiedensten Formaten finden, interpretieren und selbst kreieren. Verschiedene Betriebssysteme kennen.

Digital Citizenship: Etikette, Rechte, Verantwortlichkeiten. Digitale Medien anwenden um Probleme zu lösen oder neue Möglichkeiten zu schaffen.

Transversale Kompetenzen: Epistemologische Basis setzen: Wissen ist nicht stabil, die richtigen Fragen finden, Informationen beurteilen.

Sekundarstufe 1:

Digital literacy: Sich mit Material beschäftigen, es zu kommunizieren und auf verschiedenen Kanälen zu verbreiten.

Digital Citizenship: Kommunikation, Sicherheit

Transversale Kompetenzen: einfaches Programmieren, Probleme lösen, kritisches und innovatives Denken

Sekundarstufe 2:

Digital literacy: Autonomes Lernen, eigene Erweiterung der Fähigkeiten, Informatikunterricht

Digital Citizenship: Gesetze, Handel, Gesundheitswesen

Transversale Kompetenzen: mensch-Maschine-Interaktionen

Vorschläge zur horizontalen Integration in der Berufsausbildung

Das berufliche Umfeld ist von den Einflüssen der digitalen Transformation sehr stark betroffen. In einer Organisation beinhaltet digitale Kompetenz des Individuums einerseits dessen direkten Umgang mit digitalen Werkzeugen, anderseits aber auch sein Erleben und sein Umgang mit der digitalen Welt, um darin arbeiten zu können. In der Berufsbildung sollen die Auszubildenden auf diese sich ändernden Welten vorbereitet werden. Dazu gehört unter anderem lebenslanges und selbstgerichtetes Lernen, problem-basierte Lernszenarien, interdisziplinäres Arbeiten, kollaborative Projekte, MakerSpaces und das Verbinden von formellem und informellem Lernen in allen Lebensaspekten.

Vorschläge zur horizontalen Integration in der Höheren Ausbildung

Die momentane Diskussion zur Vermittlung digitaler Kompetenzen im Hochschulbereich dreht sich vorallem um berufliche und arbeitsbezogene Fähigkeiten. Diese sehr technische und minimalistische Ansicht von digitalen Kompetenzen als “hard skills” vernachlässigt den Aspekt, wie in einer digitalisierten Welt eine Arbeitsumgebung geschaffen werden kann, die für den Menschen vorteilhaft ist. Personalentwicklung sollte als wichtiges Ziel gelten mit Themen wie Problemlösung, verantwortungsvollem Agieren und Persönlichkeitsentwicklung für die zukünftigen Führungspersonen. Die in der Enthumanisierung der Arbeit verlorengegangenen Qualitäten wie Empathie und Kreativität müssen wieder gefördert werden, denn sie sind zentral um die richtigen Fragen zu stellen, zukünftige Szenarien zu entwerfen oder verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Die Herausforderung zukünftiger Führungspersonen ist, gleichzeitig die eigenen Entwicklung voranzutreiben und dafür zu sorgen, dass die gesamte Organisation und ihre Mitarbeiter lernen und sich weiterentwickeln können. Denn Lernen innerhalb einer Organisation wird die Top Priorität.

Beispiele: Problem-basierte Szenarien, digitale entrepreneurship Projekte. Digitale Medien anwenden um Probleme zu lösen oder neue Möglichkeiten zu schaffen. Interdisziplinäre Projektarbeiten im Kontext der Digitalisierung, Entwicklung von Meta-Kompetenzen zur Reflexion über Inhalte und ihren Kontext: information literacy, statistical literacy, critical thinking on results. Kollaborationsmöglichkeiten, MakerSpaces, MOOCs.

Grenzen, Limitationen und Probleme

Um die Verwendung digitaler Medien in den Schulen zu fördern, muss nicht nur ein Kompetenzraster für Schüler vorliegen, sondern es müssen auch die Lehrpersonen ausgebildet und gestärkt werden. Lehrpersonen müssen sich von der Vorstellung lösen, IT nur als Werkzeug zu sehen. Sie sollen sich stattdessen damit beschäftigen, die Fähigkeiten der Schüler so zu fördern, dass diese sich sowohl in der online als auch in der offline Welt entfalten können, auch mit einer Omnipräsenz der digitalen Medien.

Hergebrachte Lehrmethoden werden als massive Barrieren für die Innovation angesehen. Ob Medien im Unterricht verwendet werden, hängt nicht nur von den technischen Voraussetzungen, sondern auch von den Fähigkeiten und dem Willen der Lehrperson ab. Neue Lernformen wie technologie-unterstütztes Lernen, Problem- oder Projekt-basiertes Lernen, kollaboratives Online-Lernen oder Weblogs können nur sehr beschränkt in die traditionellen Modelle integriert werden. Die Herausforderung für Lehrinstitutionen besteht darin, die richtige Balance zwischen dem Ausprobieren neuer Möglichkeiten und dem Ausschöpfen von existierenden Kompetenzen zu finden.

Schlussendlich stellt auch die Anwendung von Big Data, zB im Zusammenhang mit Learning Analytics, neue Herausforderungen bezüglich Privatsphäre, Ethik und Normen.

Schlussfolgerungen 

  1. Führungspersonen und Entscheidungsträger in der Bildung müssen eine Vision für die erfolgreiche Partnerschaft von Mensch und Maschine entwickeln mit dem Ziel, dank komplementären Kompetenzen Synergien zu erhalten.
  2. Es muss ein nationales Kompetenzraster für die Vermittlung digitaler Kompetenzen auf allen Ausbildungsstufen entwickelt werden.
  3. Es werden neue Wege für die Messung und Bewertung digitaler Kompetenzen gebraucht. Das Bewertungssystem muss fundamental geändert werden, vom standardisierten Tests zum Portfolio-System.
  4. Do-it-yourself Lernen muss auf allen Schulstufen ermöglicht werden. Eine neue innere Haltung aus Kreativität, Innovation und Selbstorganisation (sharing culture) sollte aktiv gefördert werden, um die schulische und persönliche Weiterentwicklung zu unterstützen.
  5. Ein Schlüsselfaktor für den Erfolg sind die Lehrer. Es ist eine grosse Initiative zur Förderung deren Kompetenzen nötig, ein systematischer Ansatz für die berufliche Weiterentwicklung von Lehrern.
  6. Digitaler Kompetenzen auf der Organisations-Ebene erfordern weitere Untersuchungen und Analysen in einem eigenen Forschungsgebiet.

Keine Angst vor der Digitalisierung- Mütter, sie ist Eure Chance!

Das Schreckgespenst der Digitalisierung geht um! Und ein kürzlich rumgereichter Artikel will uns weissmachen, dass es gerade die Frauen sind, die unter der digitalen Transformation leiden werden. Was für ein Blödsinn! Noch nie waren die Möglichkeiten und Chancen für Familienfrauen so vielfältig und gut wie gerade jetzt. Man muss sie nur erkennen und sich zu Nutze machen.

Im Zuge der Digitalisierung wird von Automatisierung und Verlust von Arbeitsplätzen gesprochen. Von der Wichtigkeit der MINT Fächer (in denen wir Frauen untervertreten sind), von Blockchain, künstlicher Intelligenz und virtueller Realität. Also von Technologie. Dabei geht unter, dass die digitale Transformation noch viele andere Gesichter hat. Dass es zum Beispiel dank digitalen Angeboten noch nie so einfach war, sich weiterzubilden. Dass man sich online eine eigene Präsenz aufbauen kann, die aussagekräftiger ist als jeder CV. Dass die virtuelle Welt ganz neue Möglichkeiten bietet, sich Netzwerke aufzubauen. Oder dass die digitale Transformation neue Berufsbilder mit sich bringt, die man sich selbst erarbeiten kann. Und das alles zeit- und ortsunabhängig, von zuhause aus, abends, während der Spielgruppe des Kleinsten. Also ideal für uns Mütter! Wie das geht? Zum Beispiel so wie bei mir:

Weiterbildung, Weiterbildung, Weiterbildung

Ich wusste eigentlich schon vor der Geburt des ersten Kindes, dass eine Rückkehr in meinen angestammten Beruf nicht möglich sein würde. Umorientierung, Weiterbildung war also angesagt. Genau zu diesem Zeitpunkt startete Coursera seine ersten MOOCs. Massive Open Online Courses, Kurz-Weiterbildungen übers Internet, die gratis sind und an denen viele, ja sehr viele Menschen gleichzeitig teilnehmen. Der erste Kurs war eine Offenbahrung. Da konnte ich lernen, was mich interessierte, wann ich Zeit hatte, und in dem Tempo, das gerade passte. Perfekt für eine Mutter mit Kleinkindern! Das war vor rund 5 Jahren. Bis heute habe ich rund 7 Online Kurse besucht, teils MOOCs zu so unterschiedlichen Themen wie Project Management und Storytelling. Teils Kurse mit offiziellem Abschluss wie ein Online CAS eines Schweizer Bildungsanbieters. Dass ich neben dem eigentlichen Inhalt auch gleich noch mitbekommen habe, wie online Didaktik und virtuelle Zusammenarbeit funktioniert, war dabei ein willkommener Nebeneffekt. Heute ist das online Bildungsangebot riesig-von der Migros Klubschule über die AKAD bis zur Fernfachhochschule gibt es Ausbildungsgänge, und dass nur schon in der Schweiz! Dank Digitalisierung ist es möglich, Weiterbildung schon während der Kinderpause anzugehen. Was für eine Chance!

Fast gleichzeitig begann ich, mit WordPress rumzuspielen. Zuerst ein Blog- inhaltlich eher banal- mit dem ich die Software kennenlernen konnte. Dann die erste Webseite. Dann eine anspruchsvollere Webseite. Und dann eine noch anspruchsvollere Webseite. Einfach für mich, weil ich neugierig war, was sich da alles rausholen liess, und weil es Spass machte. Es gab Leute, die wussten davon. Und schauten sich an, was ich da so machte. Und kamen irgendwann auf mich zu- ob ich dies auch für sie machen würde? Gegen Bezahlung selbstverständlich? Und so wurde die Erstellung von Webseiten zum ersten geldbringenden Zweig in meiner langsam wachsenden Selbstständigkeit. Eine neue Tätigkeit, nur weil ich neugierig war und mir die digitale Welt die Möglichkeit bot, mir Wissen anzueignen, das andere nicht hatten!

Von der Online Präsenz bis zur Selbstvermarktung

Ich begann zudem, meine Online Präsenz weiter auszubauen. LinkedIn, Xing, ein Twitter Account. Mit dem ich zu Beginn nicht so viel anzufangen wusste. Bis da diese Konferenz kam, an der ich gerne teilgenommen hätte. Aber eben, ich habe ja 3 Kinder… Da lernte ich, dass an gewissen Veranstaltungen über den Inhalt getwittert wird. Ich schaute mir das an und merkte- da liegt noch viel mehr drin, in dieser virtuellen Welt! Als ich dann noch über Persönliches Wissensmanagement stolperte, war mir klar- was ich bis jetzt als Lernen und Online Präsenz ansah, war nichts, wirklich nichts!

Persönliches Wissensmanagement: Suche- mache Sinn daraus- Teile. Suche Quellen zu den Themen, die Dich interessieren. Nicht Bücher, sondern Personen! Die junge Dame, die so kreative Tortenrezepte bloggt. Der Herr, der auf Pinterest botanische Zeichnungen sammelt. Die Frau, die Videos über sketchnoting auf YouTube veröffentlicht. Kaum ein Thema, mit dem sich nicht andere beschäftigen und ihre Arbeiten im Internet teilen. Ich fing an, mir solche Quellen zusammenzusuchen und lernte eine ganz neue Art des Lernens und Weiterbildens kennen. Persönlich, erfahrungsbasiert, auf mein Themengebiet spezialisiert.

Doch was machen, mit all dem Gelernten? Sinn daraus machen und teilen. Ich begann, wieder einen Blog zu schreiben, diesmal gehaltvoll. Manchmal empfahl ich nur einen anderen Artikel, manchmal schrieb ich selbst, was mir so auf dem Herzen lag zum Thema, häufig inspiriert durch etwas, dass ich gelesen hatte. Ich machte Sinn aus dem Gelernten, in dem ich es aus meiner Perspektive weitererzählte. Und ich teilte es mit meinem wachsenden Netzwerk, welches mir dazu wiederum Feedback gab oder mir weitere Quellen zukommen liess.

Nach und nach begann so, meine Online Präsenz zu wachsen. Nicht nur pure Fakten, wie in einem Profil auf LinkedIn, sondern ich zeigte, von was ich etwas verstand und was mich interessierte. Kompetenzen, die ein CV nicht unbedingt widerspiegelt, die ich aber dank Link zu meinem Blog in diesen aufnehmen konnte. Ohne dies bewusst angegangen zu sein, hatte ich einen neuen Weg zur Selbstvermarktung eingeschlagen.

Virtueller Netzwerkaufbau- teilen und lernen

Dies funktionierte aber nur, weil ich das zugehörige virtuelle Netzwerk hatte. Leute, die lasen, was ich schrieb, es kommentierten und “liked”en und so sowohl meine Arbeit als auch meine Reichweite verbesserten. Die mich schlussendlich bekannt machten und mich ein Experte auf meinem Gebiet werden liessen. Ich entdeckte die Möglichkeiten der sozialen Netze.

Facebook war der Anfang, da war ich ja bereits zuhause. Doch nicht so viele meiner Freunde dort teilten meine Interessen. Auf LinkedIn kamen da ein paar mehr zusammen. Doch so richtig fand ich meine “peers” dann auf Twitter. Dank mehrerer glücklicher Zufälle lernte ich, wie man sich auf Twitter ein Lernnetzwerk aufbaut. Wie man die Personen findet, die gleiche Interessen haben, wie man mit ihnen interagiert, wie man wertvolle Beziehungen aufbaut. Nach knapp einem Jahr hatte ich bereits 200 Leute, die mir folgten, sich für meine Arbeit interessierten, sie zitierten. Ich hatte erste Blog Posts mit rund 200 Besuchen. Und es kamen die ersten Telefonanrufe. Ob ich an diesem Seminar einen Workshop moderieren könnte. Ob ich hier einen Artikel verfassen möchte. Ob ich an einer Zusammenarbeit interessiert wäre. Mein Netzwerk hatte mich in den entsprechenden Kreisen bekannt gemacht und verschaffte mir erste bezahlte Aufträge! Und gleichzeitig viele neue Ideen.

Neue Berufsbilder- was immer Du sein willst.

Ich verfasste einen gratis Online-Mini-Kurs, wie man sich mit Twitter ein Netzwerk aufbaut. Gerade jetzt konzipiere ich einen Kurs über WordPress und was man damit so alles anstellen kann. Und der nächste Kurs zu Persönlichem Wissensmanagement steht auch schon auf der Liste. Ich bin Online Dozentin geworden, fast ohne dazugehörige Ausbildung, dafür mit ganz viel praktischer Erfahrung. Ich wurde Working Out Loud Ambassadorin, Moderatorin und Workshop-Leiterin. Working Out Loud, eine neue und aktuelle Methode, wie man sich in der virtuellen Welt ein Netzwerk aufbaut, welches einem hilft, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Auch dies dank meinem Interesse und meiner Erfahrung, ohne einen formalen Abschluss, ohne spezifisches Training. Und nächstens plane ich, Coach und Mentorin für Frauen zu werden, die sich in die digitale Welt vorwagen möchten. Um sich dort einen Platz zu schaffen, auf dem sie ihre Interessen verfolgen, sich als Expertin positionieren, und sich damit ihren eigenen Beruf erschaffen können. Und danach kommt die nächste Idee, inspiriert durch die Möglichkeiten der virtuellen Welt.

Und da soll mal noch jemand sagen, die Digitalisierung sei schlecht für die Frau. Im Gegenteil! Nutzt die Chancen, die sich dank den neuen virtuellen Möglichkeiten bieten. Bringt Euch ein, macht Euch bekannt, verkauft Euch und Euer Können online. Sei es Euer Wissen (welches viel grosser ist, als Ihr meint!) oder Eure Produkte oder Eure Dienstleistungen. Ihr braucht nu rein wenig Zeit, Geduld und Neugier und Offenheit. Also nicht wirklich viel- oder?

Starting a new exciting project- the Open Science MOOC

It’s quiet a while since I posted last- despite or because there was a lot going on in my life recently. One of those things I want to and will share with you in the next months. It’s an initiative, completely volunteer-led at the moment, to do a Massive Open Online Course about the Principles and Practices of Open Science. It’s pursued by a group of ehnthusiastics who want to advocate and teach others about what Open Sciences is about and how it can be achieved. I stumbled upon it and now I am more than happy to be part of it. But read yourself how it started:

The Open Science MOOC Part 1 (of many)

For me, it all started with a tweet. This is actually not really surprising, me being a Twitter aficionado ever since I discovered the art of Social Learning and Working Out Loud. Both, #soclearn and #wol, stand for a mindset of networking, sharing, contributing, and collaborating in our digital world and therefore both have tight connections to what this project is about. While it is set up to later serve researchers all over the world to learn about the many aspects of Open Science, I will document its development from my very personal perspective and share this on the blog. I will “Work Out Loud” so others can comment, contribute, and learn.

So there was this tweet showing up in my timeline:

Open Science MOOC‏ @OpenSci_MOOC  Jun 27

The Open Science MOOC is entirely volunteer-led at the moment – if you’d like to get involved, just tweet it!

Open Science? I used to be an enthusiastic researcher in life science. MOOC? I already attended many MOOCs, being convinced by the format, and just had this great experience of a cMOOC– people networking online around shared interests. Both topics combined?? And if it’s only a tiny little bit I can contribute, I definitively will!! So I put my name on the list of volunteers and was very happy that I had this serendipitous finding thanks to my Twitter network.

Two months later, I lay in my hospital bed, rather bored as it happens on those days between interventions when you just have to wait. A message popped up. I read it. And I read it again. And I started to wonder if I was a bit drugged. No, it was real- an invitation to be part of the Steering Committee of the Open Science MOOC!

Of course I accepted, although I was wondering why on earth I was chosen for this job from this vast list of volunteers. And I immediately felt very well in the company of the other members. Not only because of their mindset of working together, being supportive, and contributing. It was also because of the diversity in the group. There was obviously a lot I could learn here!

It took 24 hours and all 13 invitees of the Steering Committee accepted the invitation. What a commitment! The first step was taken.

E-Learning is dead (already)!

When Andreas Wittke, founder of one of the major MOOC platforms in Europe, says „E-learning is dead“, you need to follow this up a bit.

His main points are:

Nowadays, e-Learnings are just a virtual image of an analogue thing- books turned into e-books. Analogous, an LMS is just a virtual image of a school with temporal and spatial barriers. More so, LMS often have very low usability as they were designed by teachers having methodology in mind, not usability. Therefore, e-Learnings and LMS do not change any structures or behaviours.

As long as E-learnings are designed to serve as virtual content in the context of the traditional image of school, they are way too expensive and ineffective.

In allen, wirklich in allen Wirtschaftsbereichen vermindert die Digitalisierung die Gesamtkosten, nur in der Bildung werden sie erhöht.

Only when digital education is detached from the current perception of schools and learning, which means detached from a closed group of enrolled students to whoever-wants-to-learn-this (upscaled and available large-area) and detached from temporal restrictions like hours or semesters, a real value will arise.

Taken together, he states that all the thousands of mini-e-learnings designed in companies and schools have a horrible cost-value ration. He might be right. I think he is.

But there’s another point in his article I do not agree. He states that the MOOCs are the first digital education baby, but still are restricted by their time limits- they have a starting and an end date. He wishes them to be available on demand. But then they aren’t MOOCs anymore! A major motivation in a MOOC is to attend a course together, although virtually, and to discuss content. To meet people, to comment, to support and to peer-review (which I still think is one of the best things in xMOOCs). I recently attended a MOOC with approx. 15-20 Persons. It was awful.

So maybe it’s just a thing of terminology. He wants to have lectures/resources ready for on demand (and possibly binge-like) learning with support from mechanical turks. This is not a bad idea. Still I am not sure if most people don’t prefer learning in a community of some kind, which will always restrict the anywhere-anytime.

And all the thousands of mini-e-learnings? In a perfect world, people would share them, allowing the generation of a huge content base that then supports this vision of self-directed independent learning.

Offering self-directed, motivating learning by content curation

Today it’s the start of the iMoox „Open Educational Resources“ of Sandra Schön and Martin Ebner. Educational resources you are allowed not only to use for your purposes but also to share and change according to your needs. This goes straight into the topic of content curation in teaching and learning, which I am really fond of.

Content curation does mean taking advantage of the best resources for your own learning project. Beside „not re-inventing the wheel“, content curation brings multiple advantages to a learning experience. It offers multiple views on a topic by including views of different authors or experts. It expands the content itself by giving the possibility to include sub-topics the teacher is not familiar with himself. It offers choice to the learner to select which resources (and media formats) he wants to use. And it tenders the potential to include content of different depth and length to meet students variable knowledge levels and time constraints.

Taken together, content curation fulfils many of the requirements for a self-directed, motivating learning experience. Doing so with OER is a save way to offer your students engaging and diversified content.

Picture from https://www.jisc.ac.uk/blog/sharing-the-love-for-oer-and-you-should-too-09-may-2014

The real benefits of virtual teaching

Christopher Pappas is one of the e-learning superstars- he founded the largest online community of e-learning professionals, the eLearning Industry– which makes him one of my very important teachers. Recently, he published a short article on talentlms.com „7 Tips to create a self-paced eLearning course“. Nothing groundbreaking, but a neat way to remember what nowadays e-learning really is (or should be) about.

  • Personalized Learning Plans: In traditional classrooms, all the students face the same content, independent of their previous knowledge, their preferences, and their learning speed. Virtual teaching allows students to pick or get delivered the content they need and work through it at their own pace.
  • Social Collaboration Activities: Learning from and with each other greatly enhances the learning experience and motivation. Virtual teaching allows for many different forms of collaborative work- asynchronous, spatially apart, and with online resources. 
  • Microcontent: Presenting the content in small pieces supports not only ubiquitous learning, but also consolidation and reinforcement of the material learned. Virtual teaching allows to learn bitesize, whenever, wherever.
  • Regular Assessment: Especially when learning at your own pace, it is important to get regular and qualitative sound feedback.  Online teaching includes an array of assessment options- self-directed online tests, online communication with the teacher, and peer-review as an important social collaboration activity. Virtual teaching allows to mix different ways of feedback, giving the learner an array of opinions on his mastery and progress.

But Virtual Teaching also asks for things:

  • Easy access: It is crucial that students can easily access and find their lectures and content.
  • Supportive Online Community: A supportive online community has to be build up in order to help students socialise, get feedback and help and be motivated.
  • Variety: Nowadays students ask for more than an online book. Only courses that take out most of the available virtual resources and offer a variety of material fulfilling students various preferences will be satisfying. Otherwise one could stick with the good old textbook.

Picture credit: http://gavs-maria.blogspot.ch/2015_03_01_archive.html

Peer Review – some lessons learned & some friendly advice – Learning Rush

After I recently attended a MOOC in which peer-review was very poor (reasons in short: wording in criteria was very strict so student assessed each other too bad and people repeatedly failed; students did not leave comments just grades, not enough students for peer review (!!- it was supposed to be a MOOC!)), I was wondering about the high and lows of peer review. Actually, I am convinced that it is one of the most valuable tools in online learning.

Why (for me) only online learning? Clare Gormely mentions it at the end of her blog post Peer Review – some lessons learned & some friendly advice – Learning Rush. Because it’s hard to assess friends. more…